dwid around the world

Es ist soweit- kein zurück mehr

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 16:00

 Mexico City, 2.5.2009
Sitze in einem Hotelzimmer in Mexico City- die Stadt wirkt unheimlich. Wegen der swine flue sind die Strassen menschenleer, der Jumbo von Londen nach MC war nur zu einem Bruchteil gefüllt- die Seuche kann auch kleine Vorteile bringen, immer positiv denken, es gab jede Menge Platz zum Ausstrecken und der Rotwein wurde grosszügig verteilt, immer 2 Fläschen auf einmal. Bin auf dem Weg nach Kuba. Durch zugekaufte Tickets und das ATW Ticket kam eine etwas komische Reiseführung zusammen, aber nur zu Beginn der Reise. Wollte eigentlich auf dem Flughafen in Mexico City die Nacht verbringen, aber aufgrund der Menschenleere und in Anbetracht dessen dass ich mein ganzes Gepäck dabei habe, bevorzuge ich dann doch ein Hotel- wäre zu peinlich wenn hier schon die Reise zu Ende wäre, in Unterhosen ohne Nix, quasi.

Netter Taxifahrer, kennt günstiges Hotel dass dann zu völlig überzogenem Taxipreis angesteuert wird und dann doch das doppelte kostet- dass ist immer das gleiche Spiel wenn in einer grossen Stadt nicht vorgebucht wird und schnell etwas geschehen soll. Aber die Reise muss ja nicht gleich hardcoremässig anfangen, also ein bisschen ausschlafen, schönes Frühstück ( auf dem Zimmer serviert, damit sich nicht zu viele Menschen ansammeln, ich sage ja, kleine Vorteile gibt es mit der Seuche.

Alle Personen mit einem Faible zu Doktorspielen können sich hier voll ausleben, alles läuft mit Gummihandschuhen und Mundschutz herum. Hoffe geht alles gut hier, desinfizierte meine Hände regelmässig, wenn ich in eine Menschenmenge eintauche, kommt auch der Mundschutz dran.

amor en tiempo de influenca

 Ja, ich bin am Beginn meiner Reise, 9 Monate mit einem Klappfahrrad um die Welt- und das mit 48 Jahren- schön bekloppt mag der eine oder andere denken, aber für alles gibt es eine Erklärung-vielleicht lasse ich noch die Hosen runter und erkläre mehr dazu.

In Kuba, meinem ersten Reiseland wird der Blog wohl ein bisschen dürsten müssen, dort gibt es nahezu keine Möglichkeiten an eine Internetleitung zu kommen. Schreiben werde ich trotzdem, dann gibt es die Informationen und die ersten Bilder halt im Doppelpack.

Hasta manana,
TE

 

kommentare:

Hi Dieter, WoW echt schöner Artikel...... :-)!!!! Wie gehts? Mir gehts gut, naja ich steh in den Ferien um 6:30 auf und arbeite 8 Stunden als Dachdecker, eigentlich gehts mir scheise :-). Viel Spass noch. Chris

Dieter: erstmal  schoen dass ich dich im blog finde- ja was soll ich sagen: jedem so wie er es verdient, grins. na ein paar euro mehr werden dir auch nicht schaden, oder? gruss dieter

 

Hola TE, la pagina esta muy bien. Me gusta. Saludos cordiales E

muchas gracias mi amor. me gusta escribir tambien TE

 

Sali Dieter, Na dein Bericht/Blog verspricht ja schon einiges :) Werde ihn genauestens mitverfolgen. Lass es dir gut ergehen. Gruss Daniel

hallo daniel, werd mich anstrengen immer mit den berichten am ball zu bleiben. es macht spass zu schreiben wenn ich weiss jemand liest auch das zeugs, grins. gruss dieter

 

Der Startschuß ist gefallen, neun Monate vor dir - und der erste kurze Bericht macht Lust auf mehr. Freue mich auf die Fortsetzung! Daniel

lust auf meer, soso, einen  teil wirst du ja mitgestalten!! gruss te

 


Cuba Rundfahrt- die ersten zwei Wochen

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 16:51

17. Mai 2009- Bin gestern in Santiago de Cuba angekommen, der zweitgrössten und schwärzesten Stadt in Cuba. Viele Schwarze aus Jamaika die irgendwann in grauer Vorzeit hier eingewandert sind, haben die heutigen Bürger von der Kultur und vom Aussehen her geprägt.

Inzwischen bin ich mehr als 1000 km mit dem Fahrrad gefahren und noch mal soviel mit dem Bus. In Habana mitten in der Nacht angekommen, habe ich tatsächlich noch ein Zimmer bekommen, nicht das dass ich reserviert habe, ein Appartment mit separatem Eingang und Kochmöglichkeit, wo ich mich einrichten hätte können und mein Fahrrad zusammenbauen. Aber was soll´s, das ist noch kein Grund sich aufzuregen, hier wo das Leben ein bisschen anders läuft.

Das Fahrrad hat die langen Flüge und Umladungen von München- London- Mexico City- Panama City nach  Habana gut überstanden- ein gutes Zeichen für die nächsten Monate!

 

Die Hitze hier in der Karibik haut einem glatt die Füsse weg. Habana kenne ich von einer vergangenen Reise und ich nutze die 2 Tage, mich mit Benzin für meinen Kocher zu versorgen und natürlich mit Pesos National. ( Als ich mit meinem Fahrrad an der Tanke stehe und Benzin verlange, sucht der Tankwart ganz verzweifelt den Einfüllstutzen am Velo, grins)

Der Umgang mit den 2 Landeswährungen ist schon gewöhnungsbedürftig. Eine Cola kann 1,50 Pesos Convertible kosten, was ungefähr 1,20.-Euro entspricht. In Pesos National kostet die Cola dann 20 Pesos, was ungefähr 0,80 Cent entspricht.

Na da macht es doch Sinn, die Läden zu finden in denen die Cubanos einkaufen! Nur dass die nicht wie normale Läden aussehen. Also immer schauen, wo die Leute mit den Tüten herkommen und irgendwann findet man dann eine Tür hinter der es Lebensmittel, Getränke oder Sonstiges zu kaufen gibt. Auch Cafeterias oder Imbissbuden gibt es verschiedene. Für Touristen kostet dann das Sandwich 4  Pesos, also 3,20.-€. Findet man den Hot Dog Imbiss oder die Cafeteria mit Schnitzelbrot für die Cubanos,(es gibt immer nur ein Gericht pro Tag) dann kann man mit Centbeträge die leckersten Sachen essen. Mui interessante!

Die Fahrt geht dann los zu einer Rundtour durch den westlichen Teil Cubas. Der Weg aus Habana heraus, immer entlang dem Malecon, der grossen Promenade am Meer, ist noch einfach. Aber bald habe ich mich verfahren.

Lernen aus Fehler, Nr. 1: Es gibt fast keine Strassenschilder, geschweige denn Hausnummern. Immer fragen wenn Du nicht sicher bist, ansonsten Zusatzkilometer in die Beine!

Strasse bei Bahia Honda

Ab 11.00 Uhr wird es unheimlich heiss. Nachdem ich auf der Autobahn dazu noch mit Rückenwind 80 km vorangekommen bin, will ich einen Bergrücken mit tollem Urwald von Candelaria über Soroa nach Bahia Honda überqueren. Auf einer Steigung ohne jeglichen Luftzug nimmt es mir den Atem-kann nicht mehr- Schluss für heute. Lege mich mitten im Wald in die Hängematte, immer wieder kommen Eidechsen (und leider auch Moskitos)  vorbei. Die Eidechsen haben unterschiedliche Farben, von Grün bis Blau und können einen Luftsack am Hals ganz nervös aufblasen. Die nächsten 2 Tage fahre ich durch Tropenwald und campiere an schönen Stellen, hole mir mein Wasser aus Flüssen oder undichten Wasserleitungen. Das Wasser reinige ich mit einem Wasserfilter von Katadyn. Immer genügend Wasser zu haben, wird existentiell.

 In Vinales angekommen, gönne ich mir ein Zimmer in einer Gastfamilie, Casa Particulare genannt. Die Familie ist freundlich und das Essen ist gut. Mir wird die Fahrt zu einem touristenarmen Strand empfohlen. Ohne Gepäck, so richtig zum geniessen geht es am nächsten Tag los. Mit einem Verfahrer (Aus Fehler lernen, Nr.1 noch nicht ganz kapiert) und 2 platten Reifen, komme ich diesen Tag auf 128 km in der prallen Sonne und bin mehr tot als lebendig, als ich wieder in Vinale eintreffe.

 

Cafeteria bei Santa Lucia                          Pinar del Rio

Am nächsten Tag muss ich pausieren- mit einem halben Sonnenstich.

Lernen aus Fehler, Nr. 2: Fahre nur Morgens, mache Mittags eine Siesta und gegen 16.00 Uhr geht es wieder in den Sattel- ansonsten Capeca Roto.

Costa bei Santa Lucia
 

Mit dem Bus fahre ich nach dieser Velorundfahrt durch den Westen der Insel, von Vinales nach Bayamo, quer durch die ganze Insel zum suedlichen Zipfel, über 1000km. Ich schlafe viel und die Zeit vergeht schnell, bin doch  immerhin fast 24 Stunden im Bus eingesperrt. Gut ausgeruht geht es durch den landwirtschaftlichen Teil Cubas, in Richtung Küste. Der Rückenwind beflügelt und die Cubanos lassen sich nicht gerne überholen. Es kommt zu lustigen Sprints: ich mit schwerem Gepäck dafür die „Rivalen“ mit uralten, bleischweren  Rädern ohne Gangschaltung, beladen mit 2 oder 3 Jungs, es kann aber auch ein Fahrer mit einer Bananenstaude oder einer Ziege sein. Eines Abends habe ich Probleme, einen Schlafplatz zu finden. Ein Cubano spricht mich an, als ich an einem Fluss nach einem Platz für mein Zelt suche, es ist schon fast dunkel. Er füllt meinen Korb am Fahrrad mit Mangos und fragt nach einer Weile, ob ich bei seinen Eltern übernachten will. So komme ich zu der Gelegenheit, bei einer mausearmen Bauernfamilie unterzukommen. William, der Vater ist ganz stolz darauf, einen Fernseher zu haben. Das Problem ist nur, die Stromstaerke macht nicht so richtig mit. Entweder kann der Ventilator betrieben werden oder der Fernseher oder das Licht in der Kueche- you have the choice!

Also arbeitet Mama William in der Kueche mit Licht, wir sitzen solange im Dunkeln in der schwuelen Nacht und unterhalten uns, dann wird im Dunkeln aber unter angenehmen Luftstrom vom Ventilator gegessen und danach, ohne Licht und ohne Ventilator, fern gesehen. William ladet mich zum Waschen ein und ich bin erstaunt- hier ein Bad, wow. Das Bad ist dann ein Wassereimer mit Schoepfer und gewaschen wird uber die Toilette gebeugt, damit man nicht alles nass macht. In einem separatem Zimmer ist ein Bett und liebevoll ein Moskitonetz darueber drapiert- alles fuer mich, dem dahergelaufenen!

Der Abend wird für alle lustig und für mich sehr bereichernd- zu erfahren, wie einfach andere Leute leben und doch so gastfreundlich und offen sind! Der Reichtum der Cubanos befindet sich in ihren Herzen! Corazon, Corazon....

Am nächsten Tag fahre ich an den westlichsten Zipfel der Provins Granma, Copa Cruz. Die Strasse ist verheerend, der Nationalpark mit grossen Mangrovenwäldern und tellergrossen Krebsen, die überall herumlaufen, umso schöner. Die wild im Korb herum hüpfenden und langsam alles verkeimenden Mangos von Jordanis, dem Cubano der mich zu seinen Eltern eingeladen hat, machen mich verrückt. Copa Cruz ist bezaubernd. Es liegen am Strand die grössten und schönsten Schnecken herum, hier könnte man schön sammeln wenn das Fahrrad hier nicht Grenzen aufzeigen würde.

Die nächsten Tage fahre ich über die Westausläufer der Sierra Maestro an die Südküste von der Provinz Granma. Hier sind die Auswirkungen von 3 Zyklone die Cuba letztes Jahr heimgesucht haben, deutlich zu sehen. Kaputte Brücken und zerstörte Strassen. Am verlassensten Teil dieser Küste begegnen mir gerade noch 2 Autos am Tag. Kaputte Brücken müssen durch teils trockene, teils mit Wasser gefüllte Flussbette umgangen werden. Links die wilden Felswände der Sierra Maestro und rechts das Meer dass teilweise sogar die Schotterpiste überspült- wahrlich eine tolle Landschaft.

 

Kueste in Richtung Santiago                    Oeko velopflege

Wunderbare Strände mit Sand oder Fels, Korallen, Schnecken, Muscheln und wunderschönes Treibholz, das Sammelfieber in Zaum zu halten, fällt schwer. Wäre Kerstin, mein Schatz hier- ich müsste sie festbinden oder einen Fahrradanhänger besorgen- die Frau die sogar in Nepal oder vom Huascaran in Peru, Steine im Rucksack von den Bergen heimtraegt. Mit meiner Ausrüstung gesamtheitlich und dem tollen Fahrrad vom Velowerk in Schaffhausen, bin ich bis jetzt voll zufrieden, hoffe dass es so bleibt.

Eines Nachts werde ich von Fackellicht und Taschenlampen im Zelt gestört und denke mir: „Schei...., jetzt gibt´s  Probleme. Es sind jedoch nur Cubanos die mindestens genauso erschrocken sind wie ich und denen ich im Weg liege. Sie wollen zum nächtlichen Fischen. Nach dem ersten Schreck frage ich sofort ob ich mit darf, was bejaht wird. Gemeinsam gehen wir dann auf Langustenjagd, in den Wasserlöchern die immer wieder durch ein grosses Loch in einem Fels von den Wellen des Meeres gefüllt werden. Von der eingesogenen und entweichenden Luft in dem Fels kommen die unheimlichsten Geräusche zustande, was für ein Abenteuer! Die Langusten zu packen gelingt mir, sie bleiben ja auch im Licht brav sitzen. Aber die vielen Stacheln! Da braucht es schon abgehaertete Haende mit Schwielen dran, damit das funktioniert. Die beiden gehen mit einem Sack voll Langusten und Schnecken mit wunderschönen schwarzweiss gefleckten Häuschen nach Hause und ich wieder Schlafen. Heute bin ich, wie gesagt in Santiago de Cuba angekommen und es liegen aufregende und erfahrungsreiche Tage hinter mir. Jetzt erst mal wieder in einem Bett schlafen, schöne Sachen essen und dann geht es weiter, Richtung Guantanamo. Dort erwartet mich dann die berühmt, berüchtigte Carratera La Farola, „der Lichtstrahl“. Eine Strasse die sich über mehrere Gebirgszüge zieht und kerzengerade in den Himmel zu gehen scheint. Mal schauen wie das kommt mit dem ganzen Gepäck!

Hasta Luego, Amigos.


Cuba Rundfahrt- Zurueck in Habana

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 17:50

Heute nacht bin ich wieder in Habana angekommen. Über Camagüey, einer der am schönsten renoviertesten Städte in Cuba und Ciego de Avila, bin ich die Autopista quer durch die Insel gebolzt. Zuerst wollte ich bis Santa Clara mit dem Fahrrad und dann die restlichen 460 km mit dem Bus nach Habana. Dann kam beim Radeln so die Idee: Warum nicht in einer Nonstop Fahrt mit dem Fahrrad bis Habana, dann hättest du die Insel komplett durchquert, in der ganzen Länge von 1200 km, etwas was ich in der zur Verfügung stehenden Zeit, nicht für möglich gehalten hätte. Der Vorteil vom Alleinreisen: ein Hintern, eine Meinung und los. Bin dann 230 km von Ciego de Avila bis hinter Santa Clara an einem Stück gefahren, der längste Tagesritt bisher. Kurz die Hängematte aufgespannt und in liebevoller Begleitung von Hunderten von Moskitos etwas geschlafen und weiter. Nachts bin ich 2 Mal von der Polizei angehalten worden, die mich gefragt haben, wo ich denn hin will. Mein Licht am Rad dürfte um einiges besser sein wie das von vielen Autos der Cubanos, insofern gab es keinen triftigen Grund mich aufzuhalten und die Polizei war auch sehr freundlich.
( Haben sie wahrscheinlich in der Schule gelernt, dass man so bei durchgeknallten Touristen vorgehen muss- so nachts auf der Autobahn mit dem Fahrrad)

100 km vor Habana, ich wollte eine weitere Nacht durchfahren, ein dicker Schlauchplatzer- unreparierbar. Jetzt musste ich meinen letzen Reserveschlauch aufziehen und damit änderte sich die Situation schlagartig. Noch eine Scherbe oder ein Dorn und ich stehe nachts auf der Autobahn, so wie der Himmel aussieht, wahrscheinlich sogar im Regen. Zuerst mal ein Bier und Nachdenken. Nach weiteren 20 km kommt ein Restaurant, dass auch von der Buslinie Viazul angefahren wird, der sehr komfortablen und professionellen Buslinie, vorwiegend für Touristen und wohlhabende Cubanos. Ein kleiner Bus mit einer Gruppe von Leuten steht vor dem Restaurant. Die Leute sind guter Stimmung und fragen, wo ich herkomme und hinwill so spaet am Abend. Sie staunen über die vielen Kilometer und dass ich jetzt bei Nacht noch nach Habana will, zumal es zu regnen anfängt. Es sind Ärzte, die auf einem Meeting in Bayamo waren. Der Busfahrer macht mir das Angebot, nach Habana mit dem Bus mitzufahren- for free. Ich habe Zweifel- diejenigen von Euch, die mich ein bisschen besser kennen, wissen ja wie ich so ticke- weil ja dann die letzten 100 km für meine Durchfahrt fehlen würden. Unter grosser Heiterkeit in der ganzen Gruppe verspricht mir der Busfahrer, es auch niemand zu sagen, er könnte mich ja auch 5 km vor Habana rauslassen damit ich dort mit dem Velo einfahren kann. Wir hatten auf jeden Fall grossen Spass mit unserem Wortgeplänkel und die Vernunft siegte letztendlich. Ich steige ein und verbringe die restliche Fahrt in einem interessanten Gespräch mit einem Arzt aus London, der eine internationale Vereinigung von Ärzten, die sich auf Unfallverletzungen spezialisiert haben, ins Leben ruft.

Hinter mir liegen harte aber auch schöne Tage. Völlig überrascht wurde ich von dem heftigen Regen der wie eigentlich angekündigt, ab Mitte Mai  vor allem im Süden der Insel, anzutreffen ist. Ich habe gedacht, dass wird wohl so sein wie bei meinem Aufenthalt in Habana vor 3 Jahren: Es schüttet ca. 1 Std. wie aus Kübeln und dann ist wieder schönes Wetter. Weit gefehlt. Schütten wie aus Kübeln ja, nur es hört nicht mehr auf. Nach 2 Regentagen in Santiago de Cuba bin ich wieder Richtung Guantanamo losgefahren. Zuvor ist es nach einigen Anfangsschwierigkeiten gelungen, mit Elektra und meinem Sohn Daniel per Skype zu reden, welche Freude!!

Dann über El Cobre, einer schönen Kirche; Richtung Guantanamo. Nachmittags fängt es wieder an zu regnen, von den Ruhetagen her bin ich gut drauf und trete voll in die Pedale. Ich frage nach dem Weg und mehrere Personen sagen: recto, recto, also geradeaus. Die Karte hole ich nicht heraus, weil ansonsten alles nass werden würde. Schlafen tue ich direkt neben der Strasse auf einem Feldweg- alles ist nass und klebrig- ekelig einfach. Früh morgens, es ist noch dunkel, wieder recto, recto. Auf einmal kommt die Provinzgrenze nach Holquien, dorthin sind es gerade noch 80km. Da kann etwas nicht stimmen, da wollte ich erst in einer Woche ankommen! Ich frage einen der ersten Cubanos der so früh morgens schon unterwegs ist und der schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

 

Zuerst er, dann aber gleich ich!

 

Bin ungefähr 110 km falsch gefahren und es gibt nur einen Weg um nach Guantanamo zu kommen- zurück.

Gehen sie nicht über Los und ziehen sie keine 400.- Mark ein- das tut weh. Wäre mit dem Auto schon weit, aber mit dem Velo, grrrrrrrrrrrrrmh. Auf einmal wollen die Füsse nicht mehr, die Knie tun weh, nichts geht mehr, die Stimmung ist am Tiefpunkt.

Nachmittags, ich schwimme schon wieder mehr als dass ich fahre, jede Wasserleiche wäre neidisch auf meine schrumpelige Haut, kommt etwas die Sonne raus. Die Strasse auf der ich fahre hat Pistencharakter für eine Paris/Dakar Ralley und dementsprechend sieht mein Fahrrad und Gepäck aus. Es kommt ein See und ich denke, ich putze jetzt mein Zeugs. Da entdecke ich beim Putzen, dass der Mantel meines hinteren Reifens stark beschädigt ist und der Schlauch schon rauskommt. Toll- einen Ersatzmantel habe ich dabei- aber der liegt in Habana. Ich flicke den Reifen so gut es geht und wechsle den defekten Mantel nach vorne, dort wo die Belastung nicht gar so schlimm ist. Während dem Reparieren fängt es wieder an zu regnen, einige Kilometer fahren und das Velo sieht genauso aus wie vorher- weiter. So geht das bis hinter Guantanamo. Ernähren tue ich mich von all dem was der Wegrand so hergibt, also ich meine damit nicht die überfahrenen Tiere die da so liegen. Einmal eine leckere Pizzaschnitte, dann ein belegtes Brot. Ein Bauer verkauft Mangos, ein anderer Ananas. Einmal legt mir ein Bauer eine ganze Bananenstaude für 1 Peso in den Korb, ich konnte dann 2 Tag nicht mehr aufs Klo bei solch einseitiger Ernährung! So zu leben ist sehr spannend, weil nie klar ist, was wohl als nächstes zum Futtern oder Trinken kommen mag. Es gibt auch keine Auswahl. Das was gerade da ist wird angeboten. Oft komme ich an Cafeterias vorbei die total leer sind, es gibt nichts mehr, fertig.

Hinter Guantanamo wird das Wetter besser und die Küste ist sehr schön. Die Gegend muss ansonsten sehr trocken sein, nur grosse Kakteen und stachlige trockene Sträucher. Entlang der Strasse zieht sich auf der einen Seite das Meer und auf der anderen ein Felsband mit gesintertem Kalk- hier könnten schöne Kletterrouten erschlossen werden. Ich übernachte auf einer Klippe direkt über dem Meer, kann meine Sachen endlich einmal trocknen.

 Harpunenfischer

 

La Farola hat es in sich, ist aber machbar. In strömendem Regen fahre ich durch schönsten Tropenwald, erklimme eine Bergkette nach der anderen und wieder hinunter an die Küste, nach Baracoa. Hier nehme ich mal wieder ein Casa Particulare und schlafe erst mal ordentlich.

 

Kueste bei Baracoa                                            Erfrischung

 

Am nächsten Tag scheint die Sonne und ich fahre in Richtung Moa. Die Gegend um Baracoa ist wie ein riesengrosser Garten. Sattgrüne Pflanzen, glasklare Gebirgsflüsse und daneben das Meer- für mich bis jetzt die schönste Gegend in Cuba. 

Malecon von Baracoa                                        Landschaft von Baracoa nach Moa

Die Strasse hat leider wieder Pistencharakter, das ewige Ausweichen und Suchen nach dem besten Weg ist sehr mühsam und anstrengend (dazu noch permanent den kaputten Reifen im Hinterkopf), Dann kommt der totale Kontrast: Moa, eine Nickelminenstadt. Tote Gewässer, abgestorbene Natur, rötlich qualmende Schornsteine und Schwerlastverkehr, total verkeimte Plattenbauten- nichts wie weg hier.
Die Gegend ist zudem noch gleichmässig bewohnt- immer wenn ich ein Plätzchen sehe, wo ich vielleicht mein Zelt aufschlagen könnte, kommt ein Cubano mit seiner Kuh vom Feld, sitzt eine Familie auf der Veranda, spazieren Leute auf der Strasse. In völliger Dunkelheit, vor einer überfluteten Brücke, schlage ich in unmittelbarer Nähe eines Dorfes, hinter einem Maisfeld mein Zelt auf. Alles nass und klebrig natürlich- es regnet schon wieder seit Stunden. Der anschliessende Weg bis nach Holquien wird zur Tortur.

Sonnenaufgang zwischen Moa und Holquien

 

Fahre an diesem Tag 160 km, die ersten 80km extrem wellig. Bist du auf der Anhöhe einer Welle angekommen siehst du ins Wellental und dahinter schon der nächste Anstieg, so geht das Stunde um Stunde. Komme nachts, völlig durchnässt- es regnet schon wieder den halben Tag, in Holquien an. So viel Wasser und dass in der Karibik- hätte ich nur am Strand in Verbindung mit dem Meer erwartet. Na ja, wenigstens ist es nicht auch noch kalt dazu. Die landschaftlich schöne Gegend ist jetzt vorbei. Die letzten 2 Tage hatte ich mehrere Schlauchplatzer und Löcher im Schlauch,  Pinschas heissen die Platten hier. Einmal direkt neben einer Polizeikontrollstelle. In der glutheissen Nachmittagssonne- es regnet jetzt nicht mehr so viel, ohne die Berge die die Wolken einfangen, frage ich einen Polizist, ob ich unter das Dach zu seinem Auto gehen darf, um im Schatten den Reifen zu flicken. Wie erwartet verneint er dies, dann lässt er mich doch. Zum Schluss suchen wir dann gemeinsam vor einer lehmigen Wasserlache kniend, nach dem Loch im Schlauch- so ist das in Cuba! Der defekte Reifen hält immer noch, hat aber nachgelassen. Mit meinem chirurgischen Notfallbesteck- Nadel und Faden die eigentlich für mein eigenes Fell bei flicktechnischen Notfällen gedacht waren, nähe ich unter regem Interesse der um mich versammelten Polizisten den Reifen. Na ja, besser den Reifen zusammennähen als mich, oder? Immer wieder diese netten Erlebnisse mit den Cubanos- ein tolles Volk, das einem Europäer viel über Gastfreundschaft, Zusammenhalt und Lebensfreude lehren kann.

Der erste Abschnitt der Reise geht nun zu Ende und die Wahl, in Cuba zu beginnen, hat sich als eine gute bestätigt. Es liegen 2500 Velokilometer hinter mir und ich habe meine Erfahrungen sammeln können- was die Fahrtechnik, das Fahrrad und das Gepäck betrifft- und natürlich mit den Cubanos selbst. Ein sehr sicheres Reiseland, ich kam in keine bedrohliche Situation und wenn man den Mut hat sich voll und ganz auf die cubanischen Leute einzulassen- ein interessantes Erlebnis wie Menschen unter wirtschaftlich wirklich schwierigen Verhältnissen das beste daraus machen und sich ihre Lebensfreude nicht nehmen lassen.

Was sich wieder einmal voll bestätigt hat und mich so sehr fasziniert, weil es in jeder Lebenssituation funktioniert:

Wenn du bereit bist:

einzusehen, nicht alles planen zu können

sich aufs Leben und die Geschehnisse voll einzulassen

an ein allumfassendes Bewusstsein zu glauben,

immer wenn die Situation ausweglos oder sehr problematisch erscheint, und du lässt es zu, locker mit der Situation umzugehen und aktiv abwartest was wohl passiert, geht ein Türchen auf, es ergibt sich eine Möglichkeit die vorher nicht planbar oder vorhersehbar war. Mir scheint, das es jedoch einer bestimmten Lebenseinstellung bedarf, um dieses Phänomen zu aktivieren. Es bedarf einer bestimmten Lockerheit und Vertrauen. Ich bin da noch Anfänger, aber ich denke, auf einem guten Weg.

Fahrt auf der Autobahn

 

 Das Fahrrad ist wirklich toll und funktioniert gut. Die Reifenwahl, ich habe mich für die komfortablen Big Apple von Schwalbe entschieden, war definitiv eine schlechte. Zwar ist ein Dämpfungseffekt da, das Fahrrad und natürlich auch der Fahrer wird bei harten Stössen etwas geschont. Die Reifen sind jedoch zu empfindlich und mir scheint, der Schlauch muss sich in diesen überdimensionierten Reifen zu stark dehnen, wird sehr dünn und dadurch empfindlicher, die schlimmsten Schlauchplatzer hatte ich nämlich auf der Innenseite, auf der Felgenseite. Nun ist mein gesamter Vorrat an Reifen und Schläuchen bereits aufgebraucht, ich muss mir etwas einfallen lassen. Werde auf jeden Fall wenn möglich auf Schwalbe Marathon wechseln. Hier in Cuba habe ich keine Möglichkeit an Material heranzukommen, das wird die erste Aufgabe in Ecuador sein, meinem nächsten Reiseland. Bis dahin, Hasta luego.

 

kommentare:

Hopp Dieter, ich finda dini Reisebricht total spannend, han s'Gfühl du bisch scho ewig unterwägs. Uebrigens i bin au unterwägs wia dr Blitz und stand am Stegatritt scho uf..... Uebrigens, besser du bruchsch s'Nähzüg für da Reifa und nüd für di :-) Mir freued üs alli scho uf wiiteri Gedanka und Bricht vo dir.......bis ba......ld! Maximus, Max und Raketle

Dieter: hallo mäx, vielen dank für deinen kommentar- so sehr die reise auch spass macht- ich freue mich schon auf meine echten freunde in der heimat! gruss dieter

 

Sali Dieter, also wenn etwas stimmt an diesem Reise-Bericht, dann dass du Durchgeknallt bist :-) Was dein Fahrad wohl schreiben würde..."grins" Da wünsche ich dir ein weiteres mal eine schöne Zeit und schöne Erfahrungen. Schön dass du uns deine Gedanken vermittelst. Daniel Z.

Dieter: hallo dani, du hast da etwas missverstanden:meine reifen knallen durch, nicht ich, grins. gruss dieter

 

Ich kann nur sagen - Wow! Es macht jedesmal einen heiden Spaß deine Berichte zu lesen und zu erfahren was man auf einer solchen Reise erlebt. Man hat tatsächlich das Gefühl dabei zu sein (ist auch der Grund warum dein Fahrrad so schwer ist-wenn das den anderen auch so geht darfst du dich nicht wundern warum deine Reifen in die Knie gehen). Sitze immer wie auf Kohlen bis der nächste Bericht erscheint. Liebe Grüsse Dani

Dieter: hallo dani, vielen dank für deinen kommentar und für alles was du so daheim für mich erledigst. gruss dieter


Ecuador, das Land der Vulkane

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 18:16
Die Reise nach Ecuador verlief gut, das Fahrrad hat die Reise ebenfalls gut überstanden. Der Anflug auf Quito ist verwegen. Ich habe gelesen, für diesen Flugplatz bedarf es einer extra Lizenz. Der Flughafen liegt mitten in der Stadt. Beim Anflug sieht man die Lichter der Stadt von einem Horizont zum anderen. Dann fliegt man bis zur letzten Minute über Häuser, man kann quasi den Leuten in die Küche schauen, das Flugzeug setzt auf und bremst wie verrückt, damit der Flugplatz nicht ausgeht. Das Hotel in Quito, mit einem Preis von 10.-€ pro Nacht inkl. Frühstück, ist schön eingerichtet und vor allem sehr sauber. Zurück in unserem Jahrhundert- hier gibt es tatsächlich Wireless- for free!

Anfänglich habe ich geglaubt, ich spüre die fast 3000m auf denen Quito liegt, gar nicht. Nach den ersten Ausritten mit  dem Rad, wurde ich jedoch eines besseren belehrt. Der kleinste Hügel und die Pumpe ging auf Hochtouren.

 

cuadorian Bunny                                             Inka Art

 

Die verlorenen- und kaputtgegangenen Teile am Fahrrad konnte ich bereits am ersten Tag in Quito besorgen, mir fällt ein Stein vom Herzen. 

Die Altstadt mit den kolonialen Häusern und den Kirchen ist schön, der Smog und der wahnsinnige Verkehr törnen mich jedoch eher ab. Quito liegt über ca. 50km langgestreckt in einem Tal. Links und rechts sind 4000m hohe Berge.

 

Basilica in Quito                                               Quito bei Abend

 

Am 3. Tag habe ich dann angefangen zu planen und wollte den 4776m hohen Vulkan Guagua Pichinchas besteigen. Wie es sich gehört, natürlich vom Bergfuss an. Es war mir jedoch nicht möglich, jemanden zu finden, der mich zu einem vernünftigen Preis und so früh morgens wie eben nötig, zu dem Dorf Lloa fährt, dem Ausgangspunkt der Besteigung. Leicht entnervt entschliesse ich mich kurzerhand, den „kleineren“ der beiden Vulkane, den Rucu Pichinchas mit 4627m, zu besteigen. Aufgrund der späten Stunde habe ich die Seilbahn auf 4100m benützt. Durch die schöne, für Ecuador typische Graslandschaft, Paramo genannt, geht es leicht steigend, kilometerlang zum Gipfelhang. Bis 4300m ist alles klar, dann fangen langsam die Beschwerden an. Mir ist schwindelig. Auf 4600m dreht es mir total den Helm, ich kann fast nicht mehr geradeaus laufen und sehen, habe Schwierigkeiten mit der Balance. So dreckig ging es mir noch an keinem Berg, nichts wie wieder runter. In 3 ½ Tagen von der Karibik auf Meereshöhe in die Berge auf 4600m ist vielleicht ein bisschen zu schnell gewesen. Bemerkenswert ist auch der extreme Wetterumschwung. Auf 4000m ist noch Wetter für T-Shirt und kurzen Hosen. Dort wo der Gipfel die Wolken einfängt und dunkle Wolken hängen, hat es vielleicht noch 0 Grad mit Eisregen.

Nach 5 Tagen Quito und dem ersten 4000er entschliesse ich mich, weiterzufahren. Diesmal mit dem ganzen Gepäck, einschliesslich dem Bersteigergeraffel. Es geht erstaunlich gut und ich verfahre mich auch nicht durch den Stadtdschungel von Quito. Ganze 25 km brauche ich, um vom Zentrum von Quito bis an den südlichen Stadtrand zu kommen! Die Abgase der Busse und Lastwagen die unverschämt knapp an einem vorbeifahren und die hügelige Strasse machen mir zu schaffen. 50 km fahre ich, bis ich nach Alosia komme, einem kleinen Dorf das der Ausgangspunkt für die Besteigung des nächsten Vulkans, dem El Corazon, ist.

 

Landscape bei Alosia                                         Hacienda cerca Estacion de Tren

 

In einer Hazienda die am Weg zum Corazon liegt, finde ich Unterkunft. Die Hazienda ist einfach umwerfend. Liebevoll eingerichtet, eine Mischung aus Eleganz und Dekos von Dingen aus dem Alltag von Viehzüchtern- bis jetzt die schönste Bleibe meiner Reise, aber auch die teuerste. Es ist gerade mal mitten am Tag als ich ankomme.

Aus Geldbeutelgründen aber auch zur besseren Akklimatisierung, beschliesse ich spontan, mein Equipment unterzustellen und noch an diesem Tag loszulaufen. Auf 4000m will ich dann im Zelt übernachten und am nächsten Tag vollends den Gipfel besteigen, danach ist dann das Bett in der Hazienda doppelt so schön. Gesagt, getan. Zuvor habe ich mir dann doch noch ein tolles 4 Gänge Menü gegönnt, so lecker wie bei Mama daheim. Dafür habe ich dann nur 2 Schokoriegel und 2 Brötchen für den Berg mitgenommen.

 

Der El Corazon ist 4788 m hoch und eine lange Wanderung durch den Paramo ist erforderlich um überhaupt zum Berg zu kommen. Den Berg habe ich noch nicht gesehen, alles hängt voller Wolken. Daran ändert sich auch nichts auf dem Weg durch die Graslandschaft. Auf 4017 m finde ich einen schönen Platz zum Schlafen, es ist inzwischen schon fast dunkel. Die Wolken um mich herum sind so schwer und wasserbeladen dass es regnet, wenn der Wind sie gegen das Zelt treibt. Bei hellem Vollmond wache ich gegen 1.00 Uhr auf und schaue hinaus, in der Hoffnung, vielleicht einmal die umliegenden Berge zu sehen, negativ- die volle Nebelsauce. Um 6.00 Uhr laufe ich los, in die Richtung in der ich den El Corazon vermute, ich sehe gerade mal die umliegenden 50m. Ich entdecke einen Pfad der von Pferden benützt wird. Da ich gelesen habe, dass es auch möglich ist, bis zum Fuss des El Corazon mit dem Pferd zu reiten, gehe ich immer diesem Trail nach, in der Hoffnung er führt zum Vulkan. Verliere ich die Spur in dem hohen Gras, gehe ich zurück bis zur letzen sichtbaren Spur und suche die Fortsetzung.

 Paramo

 

Es geht bergauf und bergab, erst als ich vor dem steinigen Grad des Vulkans stehe, weiss ich dass der Weg richtig war. Unter starkem Seitenwind und sehr wenig Sicht, steige ich immer dem Grat entlang zum Gipfel. Diesmal bereitet die Höhe keine grossen Probleme. Den Rückweg hätte ich ohne die Spur der Pferde nicht mehr gefunden.

Am nächsten Tag ist es vollkommen klar und ich kann den Vulkan zum ersten Mal sehen. Auf der anderen Talseite kommt auch der Paradevulkan Ecuadors, der Cotopaxi in Sicht.

Ich steige wieder aufs Rad und mache mich auf den Weg zu den nächsten Vulkane die bestiegen werden wollen. In einem meiner Reisebücher habe ich eine Hazienda empfohlen bekommen, die gute Preise für den Iliniza Sur macht, einem Gipfel den ich Solo nicht machen kann, das Risiko wäre zu gross- will ja schliesslich noch ein bisschen weiter reisen. Die Hazienda soll an der Panamerikana bei km 43 liegen. Es kommt ein Anstieg über 7 km bis auf 3500m. So hoch war ich mit dem Fahrrad noch nie. Ich komme mit der Höhe gut klar und bin nun auch etwas zuversichtlicher was die hohen Pässe über 4000m betrifft, die noch kommen. Nach einer langen Abfahrt bin ich nach 27 km am Meilenstein 43- nur keine Hazienda ist da. Ich frage einige Ecuadorianer, wo denn die Hazienda Papa Gayo ist und sie zeigen in die Richtung, von der ich gekommen bin. Jetzt wieder diesen steilen Hang hoch- mit dem schweren Fahrrad- nein. Kurzerhand frage ich, wie viel es kostet, mich zu der Hazienda zurück zu fahren. Sieben Dollar- dass ist es mir wert. Wir laden das Rad auf den Pickup und wir fahren die ganze Strecke wieder zurück- Luftlinie vielleicht 1 km von dort wo ich gestartet bin, komme mir ganz schön verarscht vor.

Nochmal die Steigung? Nee

 

Die Hazienda ist nicht mein Ding, zumal ein Guide auf den Iliniza sehr teuer wäre. Ich lade Hugo, meinen Fahrer, zu einem Bier ein und wir kommen ins Gespräch. Er hat einen Freund der Bergführer ist, welche Qualifikation- keine Ahnung- ist für mich auch nicht so wichtig. Er muss den Weg wissen und wir müssen uns gegenseitig sichern, mehr brauche ich nicht. Wir einigen uns im Preis und Hugo will die Fahrten zum Iliniza und einige Tage später auch zum Cotopaxi übernehmen.

Da ein strategisch guter Platz für beide Berge zum Übernachten gefunden werden muss und der eigentlich genau dort ist, wo wir hergekommen sind, bei km 43 der Panamerikana der gleichzeitig am Hauteingang zum Cotopaxi Nationalpark ist, fahren wir wieder zurück. Gleich nebenan ist eine einfache Hosteria in die ich mich einmiete. Abends kommt noch Hugo mit seinem Freund Sergio und ich zeichne den beiden präzise einen Zeitplan auf, wie das ganze vonstatten gehen soll. Die ecuadorianische Uhr tickt ein bisschen anders, man kann nichts genau genug beschreiben und ausmachen, es gibt immer noch genug Abweichungen vom Plan. Sergio bringt noch die Steigeisen, Pickel und Klettergurt vorbei, die Qualität ist in Ordnung.

Was für ein Tag, verrückt angefangen aber letztendlich, erfolgreich. Die Weichen für die nächsten Tage und die nächsten 3 Vulkangipfel sind gestellt: Iliniza Norte 5126m, Iliniza Sur 5248m und der Cotopaxi 5897m. Vamos! Hasta luego....

Besteigung des Iliniza Norte (5126m) und Iliniza Sur (5248m)

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 22:51

Am 11. 6. kommt Hugo um 4.00 Uhr um mich zum Parkplatz La Virgin zu fahren, dem Ausgangspunkt um zum Refugio Nuevos Horizontes zu kommen. Der Weg durch das Paramo ist spektakulär. Ich hätte es nicht für möglich gehalten,  dass solche Wege mit dermassen tiefen Wasserrinnen mit einem Auto zu befahren sind. Hugo erzählt, dass er während den 140 000 km die sein Pickup jetzt auf dem Buckel hat, schon 7 mal die Federsysteme hat wechseln müssen. Wir durchfahren mehrere Flüsse und Bäche. Es ist nebelig, die Sicht ist schlecht. Hugo und seine Frau steigen auf dem Parkplatz mit aus und ich frage mich, warum? Sie erklären mir, sie wollen mit zum Refugio gehen, damit ich mich nicht verlaufe. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für so viel selbstverständliche Freundlichkeit. Ich lehne jedoch dankend ab und die beiden fahren wieder los. Prompt nehme ich den falschen Weg, an den Zelten von einer Exedition vorbei, aus denen Geschnarche kommt, bemerke dies allerdings schnell, weil ich keine Höhe mache. Also zurück, richtig geschaut und siehe da, da ist noch ein Weg.

Es geht stetig berghoch, der Weg ist manchmal schwer zu finden, weil bis zu 3m tiefe Wasserrinnen einen Pfad den man zu laufen begonnen hat, unterbrechen. Ich komme gut voran und bin nach 2 ½ am Refugio. Das Haus hat ein Dach und dass wars auch schon. Innen völlig demoliert und abgeräumt, der volle Bruch. Ich sehe ein zurückgelassenes Paket mit Schlafzeug und weiss, es muss noch jemand am Berg sein.

Die Sicht ist inzwischen gut, es scheint die Sonne und immer wieder ist der Blick auf den Iliniza Norte frei. Es liegt überall Schnee. Ich verstecke unter einigen Steinen mein Zeug dass ich nicht auf den Gipfel mitnehmen will und gehe los. Die Spuren der sich vor mir befindenden 2er Gruppe erleichtert mir die Wegsuche und ich komme gut voran. Ständiges Blockklettern immer am Grad entlang, macht einfach nur Spass. Irgendwann kommen mir dann eine Frau und ihr Guide entgegen und steigen weiter ab-ich bin jetzt alleine an einem 5000er.

Einen hohen Fels der fast die Gipfelhöhe erreicht, umgehe ich rechts auf dem Paso de Muerte. Dann geht es stetig hoch, ich spüre zwar die Höhe, aber in einem akzeptablen Bereich. Bin dennoch froh als ich den Gipfel auf 5126m, mit einem kleine Kreuz obendrauf, erreiche.

 

Iliniza Norte, Gipfel - 5126m

 Blick auf den Cotopaxi

 

Die Sicht auf den Iliniza Sur ist jetzt auch da, die Steilhänge sind beachtlich. Die Entscheidung hier mit einem einheimischen Kletterer zu gehen, bestätigt sich. Nach einem Pilsener auf dem Gipfel, trete ich den Rückweg an.

 Ich brauche nur 2 Stunden für den Aufstieg und 1 Std. zurück- eine gute Zeit. An der Hütte angekommen mache ich mir einen Kaffee und lege mich dann auf einer dreckigen Matratze die ich in der Hütte gefunden habe, flach. Dick eingemummelt im Schlafsack mit allem an, was ich dabei habe, ist es richtig gemütlich. Draussen fängt es an zu schneien wie verrückt. Am späten Nachmittag kommt dann Sergio an, nass bis auf die Haut. Wir trocknen sein Zeug so gut es geht an einem Gaskocher und bereiten unsere Ausrüstung fuer den Berggang vor.

 

Refugio, komplett moebiliert               Huettenzauber

 

Um 3.00 Uhr nachts wollen wir los, um bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein. Sergios Handy geht ständig. Er hat hier auf 4900m Empfang- unglaublich- dass muss ich mal dem Herrn Swisscom erzählen. Dann hören wir dick in die Schlafsäcke eingemummelt Musik aus Sergios Handy- I still got the blues, Cocain, Joe Lee Hooker. Immer wieder kommt ein dummer Spruch, wir haben Spass. Es ist schon dunkel, da klopft es an die Tür und ein Schneemannpärchen steht vor der Tür. Also zusammenrücken und noch ne dreckige Matratze suchen. Sie wollen am nächsten Tag auf den Iliniza Norte.

Ich schlafe gut, um 3.00 Uhr geht der Wecker von Sergios Handy los. Ein Blick nach draussen- es schneit immer noch, es hat locker 30cm Neuschnee hingehauen- keine guten Bedingungen für einen technisch anspruchsvolleren Berg. Wir machen bei „If still got the Blues“ kurz Kaffee, ziehen uns an und los.

Gemütlich queren wir über die vorgelagerten Moränenfelder bis zum Einstieg. Sergio macht sich grosse Sorgen wegen den Lawinen. Ich bin etwas erstaunt, in den Schweizer Bergen machen wir uns auf dieser Höhe keine so grossen Gedanken bei Neuschnee über Nacht, ausser dass das Spuren eben mühsam ist. Ich sollte hier noch etwas über den Schnee in Ecuador lernen. Ich habe die Route im Kopf und Sergio schlägt einen anderen Weg ein. Er will durch eine grosse Felswand durchsteigen, obwohl ich ihn darauf hinweise dass der Weg eigentlich über den Durchstieg einer kleineren Wand geht und dann rechts hoch über eine Rampe zum Gipfel. Ich sichere ihn so gut es geht und nach einigen Metern kommt er aufgrund der schlechten Felsqualität zurück und wir nehmen doch die kleinere Wand. Die Felsen sind bedeckt von Schnee, das Klettern recht schwierig. Schnell sind die Handschuhe nass und die Finger kalt. Die Rampe, ein ca. 40 Grad steiles Schneefeld klettern wir direkt hoch, queren im Schutz einer Felswand nach links.

Der Schnee wird immer höher und Sergio entscheidet sich, nicht mehr die Schneerampe hochzusteigen, sondern im Fels zu klettern. Ich verstehe zu diesem Zeitpunkt diese Entscheidung noch nicht ganz, denn der Schnee fühlt sich eigentlich recht griffig an, obwohl er etwas nass ist. Während ich Sergio sichere, steigt er vor. In Passagen in denen es möglich ist, klettern wir gemeinsam am kurzen Seil. Es sind teilweise sehr glatte Felspassagen zu bewältigen, die nur durch den Einsatz vom Pickel der in kleine Risse geklemmt wird, möglich sind. Die Möglichkeit zu sichern ist dürftig, Adrenalin pur. Uns ist bestimmt beiden nicht so wohl und wenn dann mal der eine den andere fragt, wie es ihm geht, dann kommt immer die gleiche Antwort: Perfecto! Und wir müssen lachen. Der normale Schwierigkeitsgrad von AD wird der Sache schon lange nicht mehr gerecht. Irgendwann haben wir die Wand durchstiegen und wir sind auf dem letzten 45 Grad steilen Stück zum Gipfel.

Auf dem Gipfel angekommen, sehen wir dass auf dem Normalweg, einem 40 Grad steilen Schneefeld, eine Riesenlawine abgegangen ist. Dort wo wir uns befinden, auf dem Gipfelgrat hat es auch überall Risse von beginnenden Schneebrettern. Wäre ich diesen Berg alleine gegangen wie ich es ursprünglich vorgenommen habe, ich wäre garantiert den Normalweg gegangen.......

Gipfel Iliniza Sur - 5248m

 Aufstiegsroute

 

Als wir uns auf den Rückweg machen und unsere Spuren zurückverfolgen wollen, ist auch in dem Bereich in dem wir hochgekommen sind, ein grosses Schneebrett abgegangen, ohne dass wir es im Wind gehört haben. Einige Minuten vorher.......

Wir befinden uns definitiv in Gefahr- wenn es in den Bergen von Ecuador schneit, ist das etwas anderes als daheim, soviel weiss ich jetzt. Wir entschliessen uns, wieder über die Felsen abzusteigen, wo es möglich ist, abzuseilen. Schon lange ist dies hier keine Situation mehr von Führer und Gast, wir sind ein Team. Sergio schaut, dass das Seil dass über einen natuerlichen Sicherungspunkt, wie zum Beispiel einer Felsnase gelegt ist hält und ich seile ab und suche nach einem neuen Sicherungsplatz.

Wir arbeiten schnell, aber jetzt haben wir schon ein bisschen Sprachprobleme. Sergio will, das ich noch weiter abseile weil noch Seil da ist, ich sehe dass weiter unten nichts kommt wo ich stehen kann, geschweige denn eine Sicherung legen, mach dass mal jemand klar mit dem bisschen Spanisch! Jedesmal wenn ich einen Platz finde an dem eine neue Sicherung möglich ist, binde ich mich aus dem Seil aus, damit Sergio abseilen kann. Oftmals bin ich ungesichert weil wir zu wenig Material dabeihaben- und das in den schneebedeckten Felsen in einer wirklich steilen Wand- Action pur. Wenn Sergion abseilt, werde ich mit Schnee überhäuft. Am Wandfuss angekommen, sehen wir, auch hier überall Lawinenabgänge. Wir müssen aber diese Schneehänge runter. Also auf direktem Weg, gleitend und laufend runter, so schnell wie möglich, immer im Hinterkopf, es kann uns jeden Moment erwischen. Aus dem Gefahrenfeld raus, fallen wir uns um den Hals und gestehen dem anderen seine Stärke und Mut zu und dass wir mit einem Verrückten unterwegs sind.

Für diesen schwierigen Auf- und Abstieg haben wir gerade mal 5 Stunden benötigt, der Normalweg wird unter guten Verhältnissen auf 6-8 Std. eingeschätzt. Vielleicht haben wir sogar eine neue Route die einer Diretissima nahe kommt, erschlossen. In der Hütte angekommen packen wir unser restliches Zeug zusammen und hasten dann ins Tal. Sergio muss obwohl er hundemüde ist, noch am gleichen Tag auf das Refugio beim Cotopaxi um morgen eine Gruppe hochzuführen. Hugo und seine Frau erwarten uns schon am Parkplatz um uns heimzufahren- alles klappt wie am Schnürchen.

 

Doris und Hugo, der Taxista- Sergio Perfecto, der am anderen Seilende

 

Die Sonne scheint, Super Ausblicke auf die Ilinizs und Cotopaxi, aber meine Kamera ist so feucht geworden, dass keine Bilder möglich sind.

Das war ein echt haariges Abenteuer, einer meiner heissesten Bergfahrten bis jetzt. So nebenbei muss ich mir immer wieder in Gedanken rufen, dass ich in Ecuador bin, ich kann es manchmal noch gar nicht so richtig fassen. Nachmittags schlafe ich ein bisschen und fahre dann mit dem Fahrrad noch nach Lasso, dem nächstgelgenen Dorf und esse komische, unbekannte Sachen und kaufe noch Bananen ein. Jetzt bereite ich mich auf meine Solobegehung des Cotopaxi vor.

 

 

kommentare:

 

Sali Dieter, Also was sind den schon 5000meter hohe Berge wenn es 8000tausender gibt:) Und 45°Hänge, wo doch überhängend viel mehr Spass macht. Die Aussicht.. WOW.......... Liebe Grüsse Daniel

 

Hola jefe, yo se que te parece cosas locos pero un poco tranquilo por favor. Un abrazo E

hola eeee, tranquilo is mi secundo nombre! securidad tambien ;O))))) TE


Cotopaxi (5897m) und Chimborazo (6310m)- Besteigung der Vulkanriesen

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 19:10

Nach der messerscharfen Aktion am Iliniza Sur scheint der ecuatorianische Gott der Vulkane und Bergsteiger doch noch Einsicht zu haben. Nun bin ich schon fast eine Woche in der Gegend vom Cotopaxi Nationalpark und habe den Hügel noch nicht einmal gesehen- ausser auf Bildern.

Am Abend bevor ich zum Refugio Jose Rivas auf 4800m will, die Ausgangsbasis zum Besteigen des Cotopaxi, reissen auf einmal die Wolken auf und da steht er, was für ein Berg! In Quechua, der Ursprache Ecuators, heisst der Berg „Cuello de Luna“, der Hals des Mondes. Mit der schönen Symetrie, ein wirklicher Vorzeigevulkan. Morgens um 6.00 Uhr wache ich durch das rote Licht das mein Zimmer durchflutet, auf. Ich gehe auf den Balkon des Hauses und bekomme den Coto bei Sonnenaufgang zu sehen, als begeisterter Fotograf freue ich mich wie ein Schneekönig.

Cotopaxi bei Sonnenaufgang

  Der Chimborazo lugt auch um die Ecke.

Um 8.00 Uhr holt mich Rolando, der Bruder von Doris, das ist die Frau von Hugo meinem ursprünglichen Taxista, ab. (Kenne langsam die ganze Familie mit Verwandtschaft) Wir fahren quer durch den Cotopaxi Nationalpark zum Refugio. Die Landschaft wird von Paramo und vereinzelten Wälder bestimmt. Geduldig stoppt Rolando jedes Mal das Auto, wenn ich fotografieren will. Die Landschaft ist weit und einsam.

Das schöne Wetter hält an und ich sehe den Berg von allen Seiten.

 

Cotopaxi Nordseite    

Cotopaxi Nationalpark

 

Im Refugio angekommen, melde ich mich beim Hüttenwirt an. Schnell macht es die Runde, dass ich den Berg solo besteigen will. Nach einigen Versuchen, mir mit Veranschaulichungen der Gefahren das Vorhaben auszureden, habe ich dann Ruhe. Für viele Ecuadorianer ist die Arbeit des Bergführers ihr einziges Einkommen, da sind Solobergsteiger kein gutes Beispiel für Kundschaft, ich verstehe das. Doch wer einmal begonnen hat, im Alleingang unterwegs zu sein und die Erfahrung und den Mut dazu hat, der kommt vom Solobergsteigen nicht mehr los. Die Sinne sind doppelt geschärft, es darf nichts passieren, jeder Handgriff und Schritt sind gut überlegt, alles ist sehr intensiv. Es sind nur 4 Seilschaften auf der Hütte. Morgens um 1.00 Uhr geht es los. Entgegen den Beschreibungen in meinen Klettertopos, geht die Normalroute kerzengerade von der Hütte nach oben und schlängelt sich dann durch einen Gletscherbruch um dann auf einem steilen Schneefeld, gleich einer Rampe, zum Gipfel zu kommen. Ich gehe als erstes los, weil einer alleine natürlich schneller fertig ist als eine Gruppe, aber auch damit es nicht heisst, ich laufe den Guides hinterher und nützte sie aus, ohne etwas zu bezahlen.

 Ich staune nicht schlecht als die Seilschaften hinter mir nach rechts abbiegen und anscheinend einen anderen Weg nehmen. Macht nichts, ich habe den Weg am Abend vorher genau studiert, so ist das noch soloer. Nach etwa 100 Höhenmeter sehe ich hinter mir Licht, die Führer haben anscheinend für ihre Gäste einen etwas einfacheren Anfangsanstieg benützt und sind jetzt auch auf Kurs. Es ist sternenklares Wetter und fast kein Wind, bessere Voraussetzungen gibt es einfach nicht, ich empfinde grosse Dankbarkeit und Freude. Die Route geht steil durch feinen Sand und danach durch Schnee und Eis. Beständige Steilheit von etwa 35 Grad. Die Seilschaften liegen weit unter mir zurück, nur 2 Stirnlampen hinter mir halten mit. Leider kann ich das tolle Ambiente und den griffigen Schnee in dem die Steigeisen super greifen, nicht richtig geniessen. Mich plagen Magenkrämpfe und ich muss mich immer wieder übergeben. Von einem Bergkameraden, Rolf auch Yak genannt, habe ich es mir angewöhnt, am Berg vor allem Coca Cola zu trinken. Irgendwie hat der Geschmack und die Süsse eine erfrischende Wirkung- nachts um 1.00 Uhr anscheinend noch nicht.

Dann kommt die Schlüsselstelle, ein kurzes Eisstück das 45- 50 Grad Steilheit hat. Es macht grossen Spass mit Pickel und Frontalzacken der Steigeisen hier hochzuklettern. Kurz vor dem Gipfel werde ich noch von der hinter mir liegenden Seilschaft überholt, der Gast kommt dem sehr schnell steigenden Guide fast nicht hinterher, ein Bild dass man in den Bergen oft sieht. Auf dem Gipfel angekommen, geht gerade die Sonne auf. Dem Guide ist kalt und er fordert den Gast auf, schnell wieder abzusteigen, wie ich beobachte, ohne auch nur ein Bild zu machen.

Auf dem Cotopaxi in 5897m Höhe- alleine, das hätte ich mir in meinem kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Wunderbar geht die Sonne auf, die umliegenden 5000er und auch der Chimborazo ragen aus den Wolken heraus. Ich bin erstaunt wie viel da noch los ist, bei den Vulkanen. Zwei Vulkane kann ich am Horizont entdecken, die voll vor sich hin schloten, ein anderer hüstelt nur und stösst wie eine Dampflock, Rauchwolken aus. Ein seltsamer Anblick, wie in der Dinosaurierzeit.

 

Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Cotopaxi 5900m     

 Ganz schoen kalt hier...

 

Langsam wird es richtig kalt, obwohl ich schon alles angezogen habe, was so im Rucksack an Kleidung zu finden war. Nur noch 2 Personen erreichen den Gipfel, die anderen müssen aus Erschöpfung oder Höhenprobleme die Unternehmung abbrechen. Ich habe 4 ½ Stunden für den Aufstieg benötigt, normal sind 6-9 Std. geplant, freue mich über meine Fitness, schlecht ist mir aber immer noch.

Da ich noch fit bin, steige ich an der Hütte vorbei ab und laufe noch 2 Stunden meinem Fahrer entgegen. Die Einsamkeit und Weite dieser Landschaft fasziniert mich, zum Seele baumeln ist das. Irgendwann erscheint dann Hugo mit seiner Frau Doris und pickt mich auf.

fire and ice     

viel Platz fuer Seelenbaumeln

Doris, die mit Touristen Exkursionen im Paramo unternimmt und jedes Pflänzchen kennt, fordert Hugo alle paar Meter auf zu halten, springt aus dem Auto und zeigt mir irgendwelche Gräser, Blätter und Beeren. Einmal kommt sie mit Blaubeeren die sehr gut schmecken. Als ich zu einer besonders dicken Beere greifen will, hält sie mich davon ab. Nein, die nicht- 5 Beeren von denen – „mucho halluzinationes, entiende“? „AAAh entgegne ich, como tres Cervecas“?  Siiii, und wieder haben wir was zum lachen.

Obwohl ich denke ich bin noch fit, will ich nach dem Duschen kurz ein Nickerchen machen und schlafe volle 17 Stunden durch. Den nächsten Tag fahr ich 70 km durch das Hinterland von Lasso, aber dort gibt es nicht viel zu sehen. Das Highlight war ein normaler Linienbus der in vollem Galopp unterwegs war und auf dem Dach stand, in aller Seelenruhe, als wenn dass das normalste der Welt wäre, ein Schaf. Es gibt anscheinend auch unter Tieren, Adrenalinjunkies!

Am nächsten Tag packe ich mein Fahrrad voll und mache mich auf den Weg nach Riobamba, den Ausgangsort für die Besteigung des Chimborazo. Meine Beine sind durch den langen Schlaf gut erholt. Das Gelände geht zunächst 20 km leicht bergab und dann wird es schrecklich hügelig. Ecuadorianische Kilometer sind harte!!

In Ambato, es geht gerade wieder einmal bergauf und ich bin ziemlich langsam unterwegs, sehe ich, scheinbar ganz friedlich, eine Art Schäferhunddackelmischling unter einem Auto sitzen. Ziemlich desinteressiert schaut er mich an, ok weiter. Kaum bin ich an ihm vorbei, kommt er unter dem Auto rausgeschossen und beisst mir tatsächlich in die rechte Wade! So eine hinterhältige Bazille! Gott sei Dank trage ich an dem Tag eine Bandage, weil mein rechtes Knie weh tut- dass war wohl nichts, mit der Partisanenattacke.

Irgendwann kommt eine Strassengabelung, entweder Banos oder Riobamba. Banos ist das Tor zum Amazonasgebiet und liegt tiefer wie Riobamba UND ist auch 20km näher. Ich disponiere um und entscheide mich, nach Banos zu fahren und von dort mit dem Bus zum Chimborazo Gebiet zurückzufahren. Auf dem Strassenschild steht, dass es noch 15km nach Banos sind und es geht genau diese Distanz eine tolle Strasse in ein enges Tal hinunter, in dem ein wilder Fluss tobt und seinen Weg nach unten sucht. Die Vegetation nimmt mit jedem verlorenen Höhenmeter zu und es riecht schon toll nach Pflanzen und Wald. Die 15km sind rum- nur kein Banos ist zu sehen- soviel zu den Entfernungsangaben in Paises latinoamericano. Mit dem Auto völlig egal, mit dem vollbeladenen Velo nach 120km Fahrt nicht so ganz- es geht noch 8km bergauf bis dass Zentrum von Banos erreicht ist. Schnell finde ich eine Hosteria für 6 Dollar die Nacht. Das Duschwasser ist dass heisseste auf der ganzen bisherigen Reise- einfach schööön.

Den nächsten Tag schaue ich mir die Stadt an, die anscheinend nur von der Adrenalinsehnsucht der Touris und den heissen Vulkanbädern lebt. Von einer hohen Brücke über dem Tal wird bungeegejumpt, überall Outfitter mit Raftingbooten und Mountainbikes. Ich finde einen Outfitter der mir dass restliche, noch notwendige Bergsteigergeraffel ausleiht und schaue nach Möglichkeiten, zum Refugio Whymper auf 5000m, am Fusse des Chimborazo zu kommen.

Am nächsten Tag bringt mich für nur 3 Dollar ein Bus ca. 80 km bis an eine Strassenkreuzung, die noch 5 km vom Fahrweg zum Refugio entfernt ist. Fultan, ein Transportista, bringt mich die restlichen Kilometer bis dorthin. Sein Lastwagen ist so alt und so langsam, dass die Zeit bis dorthin genügt, um unsere Familienverhältnisse bis ins letzte Detail zu erörtern, unheimlich wichtig für die Leute hier. Wehe, du hast keine Kinder, da bist du sofort unten durch. Gott sei Dank kann ich wenigstens einen Sohn aufweisen. Und wenn ich dann noch behaupten kann, mein Sohn ist auch gleichzeitig mein bester Freund, dass ist Balsam für dass Herz der familienbetonten Menschen hier. Ich laufe durch die Weite des Paramos bis zum Refugio.

auf dem Weg zum Chimborazo

 

Der Chimborazo mit einer Höhe von 6310m liegt wolkenlos in der Sonne, ich werde doch nicht schon wieder so ein Glück haben? 

 Am Refugion angekommen, sitzt mutterseelenallein Julio, der Hüttenwart, der mich von weitem schon kommen gesehen hat.

 

Kein Mensch hier, Schluck. Ursprünglich wollte ich mit Sergio, meinem Kletterpartner vom Ilinizas Sur, den Chimborazo besteigen. Der Reiz, einen 6000er solo zu machen, war jedoch stärker und ich habe beschlossen, auch diesen Berg im Alleingang zu versuchen. Aber soooo alleine!?

 

Julio sagt dann noch so nebenbei, wenn ich der einzige bin, dann steigt er ab zur nächsten Hütte zu einem Kumpel von ihm. Er zeigt mir noch wo ich schlafen kann, wo die Küche ist und schon ist er weg.

 

Julio, der Huettenwart am Chimborazo 

 

Dass gibt es doch nicht! Am höchsten Berg von Ecuador, alleine in der Hütte und morgen alleine am Berg. Ein klein wenig Gefühlsballett. Auf der einen Seite voll cool, auf der anderen ein bisschen Bammel.

Im Licht des sich neigenden Tages, steige ich noch den Klettersteig hoch, bis der Schnee und das Eis beginnt und die Steigspuren vergangener Seilschaften sichtbar werden. Pfade die tagsüber gut zu sehen sind, werden nachts merkwürdigerweise unsichtbar und man stochert mit Stirnlampenlicht zwischen den Felsen herum. Wann immer möglich, schaue ich mir deshalb den Einstieg zur Route vorher bei Tageslicht an und versuche sie mir einzuprägen.

Als ich wieder bei der Hütte angekommen bin,  hat sich mittlererweile eine 2er- Seilschaft eingefunden- doch nicht ganz alleine- ein bisschen froh sein. Quan Carlos, der Bergfuehrer und sein Gast, Allen der Lokführer aus Liverpool, wollen sich auch an den sehr steilen 1300 Höhenmetern bis zum Gipfel, versuchen.

Nachts, um 11.30 Uhr ist die Ruhe schon vorbei. Kurzes Frühstück, diesmal kein Cola sondern versuchsweise warme Milch und Cornflakes, und es geht los.

Die Arbeit vom Abend vorher zahlt sich aus, ich finde den Weg problemlos und Quan Carlos und sein Gast stochern. (ein Guide läuft doch keinem normalen Bergsteiger hinterher) Bald sind die beiden weit hinter mir- ich bin alleine an einem 6000er unterwegs,wow. Nach einigen Kehren durch eiserstarrte Felsen und Steine bin ich an einer Felsengruppe, El Castillo genannt. Nun geht es eine Rampe von 1000 Höhenmeter  kerzengerade, immer nur dem Gipfel entgegen. Die Steilheit beträgt gleichmässige 35- 40 Grad und ist auf die Dauer eintönig und anstrengend. Keine Abwechslung, im Radius der Stirnlampe sieht man nur eine sehr steile Wand vor sich, egal wie man stundenlang klettert, die Wand hört nicht auf.

Nach nur 6 ½ Stunden bin ich auf dem Veintimilla Gipfel, eine halbe Stunde weiter, auf dem Whymper Gipfel, 6310m. Obwohl das Wetter mitmacht, ist es elend kalt auf 6000m und Wind hat auch eingesetzt. Ich habe bereits alles an was ich dabei habe, trotzdem spüre ich meine Finger nicht mehr, der Hals schmerzt von der kalten Luft und nicht zum ersten Mal kommt die Frage in mir auf, warum man sich so etwas antut. Fotos mache ich keine, will vermeiden die Handschuhe auszuziehen- wahrscheinlich könnte ich die kleinen Knöpfe an der Kamera auch nicht mehr bedienen. Schnell steige ich ab und begegne dabei der anderen Seilschaft die den Gipfel auch noch erreichen wird. Es ergibt sich eine Mitfahrgelegenheit nach Riobamba und von dort kann ich wieder mit dem Bus nach Banos fahren.

landscape am chimborazo

Die Transportmöglichkeiten und die Flexibilitaet sind enorm. Williams, der nette Outfitter der mich mit nach Riobamba mitnimmt, setzt mich ab, sofort habe ich ein Taxi für einen Dollar zur Busstation Oriental. Noch kaum angehalten, wird die Tür zum Taxi aufgerissen und Angestellte von Busbüros fragen nach, wo du hinwillst, schnappen dein Gepäck und bringen es zum entsprechenden Bus, zwei Dollar nach Banos abdrücken und es geht los- fertig.

Rückblickend empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit und Glück,  dass ich diese beiden hohen und berühmten Berge unter diesen wirklich optimalen Bedingungen vorfinden konnte und dass meine Solobesteigungen so gut verlaufen sind. Jetzt habe ich erst mal die Nase voll von Kälte, Schnee und Eis.

Übermorgen geht es mit Klappi- so heisst mein Velo mittlererweile, in einer 65km langen Abfahrt von Banos nach Puyo, in das Amazonasgebiet. Will unbedingt Piranhas angeln, Boot fahren, Tiere sehen und .....na ja, dort gibt es einen 3600m hohen Vulkan, der nur sehr mühsam, durch einen Pfad den man mit Macheten freischlagen muss, zu ersteigen ist. Mal sehen......

 

 

kommentare:

 

Die gute Cola auskotzen ? Bist Du des Wahnsinns ? Einfach ein wenig langsamer gehen hätt sicher gereicht... Aber Gratulation zu den Gipfelerfolgen und viel Spaß im Oriente. Wir geben uns derweil mit heimischen Maulwurfshügeln bei echtem Dreckswetter zufrieden. Und stell nicht so viele geile Bilder ein, das bringt nämlich MICH zum kotzen....

Dieter: hallo Yak vielen dank fuer deinen kommentar, das mit der cola muss ich halt noch ueben, hab da nicht so viel erfahrung wie du. bei den bergerfahrungen kommt es nicht so auf die hoehe an, sondern der spassfaktor zaehlt alleine und den kann man auch bei dir zuhause haben, zumal du mit elektra steigen darfst, grins. gruss TE

 

hay dieter! dein berricht ist echt super geschrieben und die bilder sind echt klasse. das nächstemal komme ich mit, ok! -hihi- gruß lisl

Dieter: hallo suesse lisa, wir werden ja noch die moeglichkeit haben, gemeinsam abenteuer zu erleben, spaetestens im dezember. bis dahin alles alles liebe, TE

 

Sali Dieter WOW du machst Messmer und Co alle Ehre! Und deine Berichterstatungen gleichen schon em Drehbuch, dass man verfilmen könte ;) Lieben Gruss Daniel

Dieter: hallo daniel, du scheinst ja ein ganz treuer leser zu sein, dafuer danke ich dir! drueck euch auch fuer die arbeit ganz dick die daumen!! bin in gedanken sehr oft bei euch.Gruss Dieter

 

hola jefe, yo me deseo ir condigo todos.E

Dieter: e, no mas largo tiempo, mi amor y escalamos juntos! TE


Im Einzugsgebiet des Amazonas

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 16:32

Gerade befinde ich mich in Tena, einer Ortschaft in der Nähe des Rio Napo, einem grossen Strom der in den Amazonas mündet. Die Fahrt von Banos, das noch 1800m hoch liegt, hinunter in den Regenwald, ist ein besonderes Erlebnis. Das Tal durch das sich die Strasse hinunterschlängelt, ist dicht bewachsen und sehr eng. Links und rechts an den steilen Berghängen rauschen Wasserfälle herab.

caratera de cascadas                      strasse runter nach puyo

Autos fahren oft durch Tunnels, die Radfahrer können aussen am Berg entlang auf kleinen Wegen fahren und haben so wirklich tolle Ausblicke. Irgendwann öffnet sich dann das Tal und gibt den Blick auf einen Regenwald frei, der sich bis zum Horizont erstreckt- der Oriente, das Amazonasgebiet. Dieser Dschungel dehnt sich über Tausende von Kilometer, über mehrere Länder aus- unvorstellbar.

endloser regenwald

 

In Puyo angekommen fahre ich gleich weiter in Richtung Tena. Von den Büchern her die ich gelesen habe, bereite ich mich auf eine Piste vor, die bei Trockenheit sehr staubig ist und sich bei Nässe in ein Schlammbad verwandelt. Nur dass vor einem Jahr eine nagelneue Strasse gebaut wurde- das Resultat ist ein Asphaltband vom feinsten, die beste Strasse seit Beginn der Reise. So ist es ein Genuss, die Landschaft zu betrachten ohne auf Schlaglöcher, Scherben und dergleichen achten zu müssen. Irgendwann wird es dunkel und ich finde einen guten Platz für mein Zelt.

 

camping de luxe

Regenwald, halt

 

Am nächsten Morgen schüttet es wie aus Kübeln und ich werde klatschnass, der Regenwald macht seinem Namen Ehre. Anfangs habe ich versucht, mittels Regenkleidung trocken zu bleiben, aber bei der Wärme ist man dann eben nass vom Schweiss. Nass werden lassen und bei der darauffolgenden Sonne halt wieder trocknen werden, ist die beste Lösung. Den ganzen Vormittag fahre ich auf dieser guten Strasse durch eine faszinierende Landschaft. Links von mir die total bewaldeten Ausläufer des Gebirges und rechts oftmals grosse Flussläufe.

rio machualli

bruecke auf dem weg nach tena

 

In Tena angekommen, suche ich ein Hostel und finde das Brisa del Rio von Maximo, einem tüchtigen und sehr symphatischen Ecuadorianer. Wir freunden uns ein bisschen an, trinken abends ein, zwei Bier zusammen und ich werde von Maximo für den nächsten Tag auf seine Finca eingeladen. Die Finca erweist sich dann als ein viele Quadratkilometer grosses Gelände, auf dem sich Weidemöglichkeiten für allerlei Getier sowie Fischteiche, eine ganze Hundemeute und viel, viel Wald befindet. Ein Freund von Maximo verschwindet kurz, kommt mit einem Büschel Halme zurück, macht einen Knoten rein- ab ins kochende Wasser und fertig ist ein sehr intensiver und guter Lemongrastee.

fruehstueck auf maximos finca

 

Auf dem Gelände befinden sich auch grosse Fischteiche mit einer gut schmeckenden Piranharasse drin. Da die Flüsse sehr hohes Wasser führen und momentan sehr schlammig sind, nehme ich das Angebot an, hier ein bisschen zu fischen. Das ganze erweist sich als schwieriger als ich dachte, weil ich keinen passenden Köder habe. Kunstköder nehmen die Fische nicht an, die wollen Blut. Maximo ist schon seit einer Weile wieder nach Hause gegangen und ich werde mit dem Velo nach Teno zurückfahren. In einer Gefriertruhe von Maximo finde ich dann ein Stück gefrorenes Hühnerfleisch. Eine ziemlich blutleere Geschichte, da locke ich wohl keinen Piranha an die Strippe. Ich komme anfangs aber gar nicht so weit, weil einer der zahlreichen Hunde die hier leben, immer meinen Köder auffrisst, bevor ich mein Angelzeug richten kann. Angeln kann ich nur mit einem Haken und ein bisschen Nylonschnur.

 

Schliesslich klappt es doch noch und ich habe sogar einen richtig grossen Fisch an der Leine. Ich bin überrascht über die Kraft des Fisches, die Leine ist fast nicht zu halten und schneidet sich tief ins Fleisch. Ich brauche eine ganze Weile bis ich den Burschen an Land habe. Ein schöner Fisch in rötlichen Tönen gehalten und die Hackerchen sind auch nicht ohne. Nach einigen Fotos darf er wieder ins Nass.

 

kay piranha

nette beisserchen...

 

In Tena zurück, suche ich für den folgenden Tag einen Guide der mit mir in den Dschungel geht. In einem Office für Dschungeltouren wird mir ein typischer Touristentrail angeboten, da ein Affe, da eine Anaconda im Käfig, Kochen bei einer Touristenindianerfamilie die sich immer auf indianisch umzieht, bzw. auszieht wenn die Gringos kommen, ich lehne dankend ab.

 

Ich will alleine mit einem Guide unterwegs sein, abseits der Touristenpfade. Am ersten Tag laufen, am zweiten Tag möchte ich mit einem Kanu einen Fluss herunterfahren. Nach einigen Diskussionen zwischen Lenin dem Besitzer und Patrizio einem Guide, steht der Kurs fest. Am nächsten Morgen treffen wir uns und zu meiner Überraschung ist noch ein Guide zum mitkommen bereit. Wie ich so mit der Zeit herausfinde ist Patricio eigentlich nur zu Urlaub hier und hat von der Gegend keine Ahnung. Er ist Dschungelguide in der Nähe von Coca an der kolumbianischen Grenze. Er kann aber Englisch. Byron der einheimische Guide, kennt zwar die Gegend hier, kann aber kein Englisch, nur wenig Spanisch und spricht hauptsächlich Chechua.

 

Mit dem Autobus fahren wir, bis Byron den Bus stoppen lässt. Er biegt von der Strasse in einen fast nicht sichtbaren Pfad ab und wir sind sofort in dichtem Dschungel. Wir folgen einem Pfad der wahrscheinlich von den in kleinen Kommunen lebenden Indianern benützt wird, wenn sie nach Tena oder sonst wohin auf den Markt gehen. Byron erweist sich als grossartiger Pflanzenkenner. Er erklärt die verschiedenen Einsatzgebiete der Pflanzen bei den Indianern. Das Zeug das man Essen kann, probieren wir auch, es hat einige wohlschmeckende Sachen darunter. Dann gibt es viele Pflanzen für medizinische Zwecke, aus einigen machen die Kinder Sachen zum Spielen. Nach einigen Stunden in sehr hügeligem Gelände folgen wir nicht mehr dem Pfad, sondern einem Bachlauf.

 

patricio, guida de selva

tucan tito

 

Zwischenzeitlich regnet es in Strömen und der Bach ist viel tiefer als unsere Gummistiefel hoch- pitschnass alles. Die Vegetation ist unglaublich schön und im trinkbaren, glasklaren Wasser tummeln sich bunte Fische. Es fliegen grosse Schmetterlinge mit überwiegend blauen und roten Farbtönen herum. Dann verlassen wir das Bachbett und gehen wieder auf einem Pfad der inzwischen extrem schlammig ist. Und dann, ja und dann.... weiss der Guide nicht mehr wo wir sind. Wir haben uns verlaufen- lost im Busch.

Patricio feixt immer hinter dem Rücken von Byron und amüsiert sich köstlich, er ist ja bezüglich der Orintierung nicht verantwortlich. Nachdem wir einen Weg zum dritten Mal gelaufen sind, vergeht auch ihm langsam das Lachen.

Schliesslich laufen wir an die Stelle zurück wo wir den Bach verlassen haben und laufen dann anstatt links nach rechts. Irgendwann, wir sind nun schon über 6 Stunden unterwegs, riechen wir Rauch. Wir sehen von einer Anhöhe einen Flusslauf und einige Hütten, das wird wohl die Indianerkommunity sein, in der wir schlafen werden. Ein Indio setzt uns mit einem Einbaum über den Fluss. Es sind nur wenige Häuser hier und in einer der Hütten dürfen wir einziehen.

 

indiohuette

kochstelle fuer dschungelgourmets

 

Die beiden kochen ein wirklich tolles Essen über dem offen Feuer der Feuerstelle, die in einer Ecke der Hütte angebracht ist. Wir hören wie ein Generator angeworfen wird und bald tönt laute Regaton Musik durch den Wald. Wir gehen dem Lärm nach und kommen an ein Haus das auf hohen Stelzen steht und hell beleuchtet ist. Zuerst werden wir gar nicht wahrgenommen, dann kommt ein Mann heraus. Nach langem Palaver zwischen Patricio und dem Indio werden wir eingeladen, hereinzukommen. Es sind nur 3 Familien in dieser Gemeinde, namens Mirador. Der Mann wohnt mit seiner Frau und 3 Kindern hier und sie machen heute eine Familienfeier, weil für die Kinder die Ferien beginnen. Wir werden noch eingeladen, ein typisches Essen der Indios zu uns zu nehmen. Ich hätte gerne darauf verzichtet. Eine Art Eintopf aus Bananen und Fleisch, so gut wie nicht gewürzt.

Da es so gut wie keine Moskitos hat, schlafen wir auf dem Fussboden der Hütte, das Zelt bleibt eingetütet. Wer uns morgen mit dem Boot den Fluss runterfahren soll- keine Ahnung.

Morgens machen wir Frühstück und wir wissen immer noch nicht, wie wir von hier wegkommen. Die beiden entschliessen sich aus Bambusrohren die hier Oberschenkel dick wachsen, ein Floss zu bauen. Hab ich nichts dagegen, kann ich etwas lernen und die Fahrt wird bestimmt abenteuerlich. Während die beiden Helden im Wald nach passenden Stämmen suchen, sitze ich am Flussufer und passe auf unser Zeug auf. Punkt neun kommt ein Indio mit einem grossen Einbaum, der uns den Fluss runterfahren will- geht doch. Irgendwie muss dann doch von irgendwem etwas ausgemacht worden sein.

 

Nachdem ich die beiden im Wald aufgesammelt habe, legen wir ab. Der Fluss führt viel Wasser und wir kommen für meinen Geschmack viel zu schnell voran. So im Boot zu sitzen und diese pralle, satte Vegetation an sich vorbeiziehen zu lassen, dass macht wirklich Spass und ist beeindruckend.

 

An einer Brücke machen wir halt und steigen hoch zur Strasse. Nach 2 ½ Stunden warten kommt dann auch tatsächlich ein Bus.

Wieder in Tena angekommen, hat Maximo eine Überraschung für mich. Er wollte eine Delikatesse aus dieser Gegend besorgen. Maden, die nur in einer bestimmten Palmenart leben und toll schmecken sollen. Er hat eine Schüssel mit Palmenfasern und darin tummeln sich ca. 3cm lange und daumendicke Maden.

 

chomtacurus

 

Sie riechen süsslich nach Palmenfett. Maximo reisst mit dem Fingernagel einige in der Mitte auf, holt ein bisschen Eingeweide heraus und legt sie anschliessend in eine kleine Pfanne mit ein bisschen Wasser. Bald brutzeln die Kleinen munter vor sich hin. Die Maden sind so fett dass sie braun anbraten. Zuerst wird der Kopf abgeschnippst und ausgezutzelt- einfach köstlich. Ein richtig guter Bratengeschmack. Dann essen wir mit Genuss die Maden selbst, wirklich eine Delikatesse- von der Optik einmal abgesehen.

Werde mich morgen wieder auf den Weg nach Banos machen und dann mit Klappi weiter durch Ecuador fahren. Die nächsten grösseren Städte sind Cuenca und Loja. In der Gegend von Cuenca gibt es einen grossen Nationalpark mit Paramo und lauter kleinen Seen, da möchte ich noch einige Tage wandern. Dann muss ich die weitere Reise so timen, dass ich rechtzeitig am 16. Juli, frisch gewaschen und geschniegelt, in Lima bin.

 Da kommt nämlich Elektra, meine Novia angeflogen! Freu mich, freu mich, freu mich!

platz fuer muse

 

Dann geht’s weiter nach Bolivien zum Bergsteigen. Pura vida.

 

 

kommentare:

Der Fisch hätte mich mehr angemacht als die Maden:) Wie sieht es eigendlich mit Schlangen und sonstiges Kriechgetier aus? Gruss aus der Schweiz Daniel Z.

 Dieter: Hallo Daniel, hat viel Zeugs hier dass einen stechen will, aber ansonsten schauen die Tierchen dass sie wegkommen wenn Menschen nahen, alles halb so wild. Gruss Dieter

 

Hallo Dieter Ein toller Reisebericht .Man fährt und ißt mit Genuß mit. Natalie waren nur die Maden zu gross!!!!! Wir sitzen gemütlich vor dem PC und sind schon gespannt auf Deine neuen Abenteuer. Gruß aus Donzdorf

Dieter: hallo ihr lieben in donzdorf. freue mich wenn ihr an der reise teilhabt. werde euch weiter berichten damit natalie ecuador nicht auf der (ecuador)linie suchen muss, grins. Gruss Dieter

Auf den Spuren von Mogli :) also über zu wenig Highlights kannst du dich echt nicht beschweren. Grüsse Dani

Dieter: hallo dani, nein will mich nicht beklagen, die reise übertrifft meine erwartungen. ich freue mich schon auf unsere gemeinsamen abenteuer! gruss dieter


Ecuador-letztes Kapitel

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 17:10

 

Die Durchquerung Ecuadors neigt sich dem Ende zu. Morgen werde ich über die Grenze nach Peru fahren. Die letzten 2 Wochen waren eher gemütlich. Die Fahrt mit dem Velo gestaltet sich hier im Hochgebirge anspruchsvoll und unberechenbar. Was auf der grossen Ecuadorkarte ein Zentimeter, also 10km sind, entpuppt sich dann als eine Strasse, die sich in ständigem Auf und Ab an den Berghängen entlang zieht. Teils geht es kilometerlang in ein Tal hinein bis der Boden erreicht ist, eine Brücke kommt und dann windet sich das ganze wieder nach oben.

Habe es dann auch prompt nicht geschafft von Riobamba nach Alausi an einem Tag zu kommen, bin aber mit einem superschönen Platz für das Camp mehr als entschädigt worden.

 

Bin dann für einige Tage in Alausi geblieben, einem kleinen aber schönen Dorf, das auch bekannt ist, für eine der berühmtesten Bahnstrecken der Welt. Die Bahnstrecke ist inzwischen für den Normalbetrieb ausser Verkehr, für die Touristen fährt die Bahn aber noch um die Nariz de Diablo- eine ganz verzwickte Gleisführung ist notwendig, um den Zug an dieser Stelle vorbei zu bringen. Wie alle anderen bin ich brav angestanden und habe auf ein Ticket gewartet. Ich weiss nicht mehr wie, auf jeden Fall bin ich mit einem Mann ins Gespräch gekommen. Wahrscheinlich war ihm mein Spanisch gar zu dürftig, ansonsten hätte er mich wohl nicht gefragt, ob ich auch noch andere Sprachen spräche? Es hat sich dann herausgestellt, dass Antonio ein gebürtiger Ecuadorianer ist,jedoch in Sao Paulo in einer Walddorfschule unterrichtet und in Mannheim studiert hat. Sein Deutsch ist vom feinsten und das Gespräch hat wirklich Spass gemacht; ein gebildeter Ecuadorianer mit gutem Benehmen, mal etwas anderes.

Ansonsten muss man sich an das Niveau der Bevölkerung schon gewöhnen, einige Angewohnheiten sind mehr als irritierend. Dass die Männer einfach überall wo sie gerade stehen und gehen, hinpinkeln und sich Indiofrauen mit ihren weiten Röcken auf den Gehsteig kauern und dort ihr Geschäft verrichten...... Oder dass im Restaurant während dem Essen einfach auf den Boden gespuckt wird,  das wäre in unserem Lebensraum nicht möglich und man staunt dann schon.

Das Ausgeben der Tickets für die Zugfahrt zog sich ewig in die Länge und als ich dann noch von Antonio erfuhr, dass es nicht mehr erlaubt ist, auf dem Dach des Zuges mitzufahren, war für mich die Luft raus.  Ich bin dann lieber wandern gegangen. Auf der linken Seite des Tals zogen sich bis auf fast 4000m die Felder der Indios. Dort bin ich hinaufgelaufen und habe den Indios bei der Arbeit zugesehen.

 
 

hast du den gringo gesehen??

 

Einige sahen echt irritiert aus, ich glaube nach hier oben verirrt sich nicht so oft ein Gringo. 

Am nächsten Tag bin ich mit dem Bus nach El Tampo und von dort nach Ingapirca gefahren, dem  bedeutendsten Inkaüberbleibsel in Ecuador. Die Fahrt von El Tampo nach Ingapirca auf einer schlechten Strasse mit tiefen Schlaglöchern, war ein Erlebnis der besonderen Art. Ich war der einzige Europäer, eng eingepfercht zwischen lauter Indios. Stehend in dem sich wild schüttelnden Bus und der Geruch von ungewaschenen Leiber. Die Kleider der armen Landbauern waren  teilweise sehr schmutzig und rochen nach Rauch vom Feuer- lange hätte die Fahrt nicht mehr gehen dürfen. Um die Nase an diese Gegebenheiten zu gewöhnen, bedarf es schon eines längeren Aufenthaltes wie einige Wochen.

 

ingapirca

 

Die nächste grosse Stadt war dann Quenca und das Bild änderte sich wieder einmal komplett. Sehr europäisch, fast keine Indiotrachten. Geschäftsleute, alles sehr sauber. Shoppingmails, Plazas und viele Kirchen. Eine tolle Stadt um zu flanieren- aber flanieren mit Klappi- nicht sehr prickelnd.

 

Nach Quenca änderte sich die Landschaft wiederum, ich hatte fast das Gefühl durch den Schwarzwald zu fahren. Kiefernwälder, überall Kühe und Pferde. Dann ging es rechts ab nach Machala und ich hatte das Vergnügen, 2800 Höhenmeter vernichten zu dürfen. Durch die kleinen Reifen sind auch die Gepäckträger dem entsprechend nieder und das Gepäck ist vom Schwerpunkt her ideal, Klappi läuft vollbeladen wie auf Schienen. 60km sind bergab jederzeit drin- wenn es der Strassenbelag zulässt. Einmal bin ich sogar 80km/h gefahren, dann kam ein Schlagloch dem ich bei dem Speed nicht mehr ausweichen konnte und durch den Ruck hat sich eine der zwei Befestigungen an einer  Packtasche am Vorderrad gelöst. Dass ich mich da nicht auf der Strasse lang gemacht habe war ein Riesendusel, seitdem nicht mehr schneller als 60.

Nach Santa Isabell änderte sich die Landschaft wiederum. Eine einzige Stein- und Sandwüste. Schilder weisen auf verschiedene Minen hin, es wachsen nur noch Kakteen.

 

Am Wegrand liegt ein Pferd mit einem dicken Kopfschuss- war wohl unvorsichtig oder nicht artig.Dann überholt mich ein Pick up mit einem Mountainbike hinten drauf. Ein Pärchen hupt und grüsst. Nach einer Weile sehe ich das Auto vor mir am Wegrand stehen und während ich vorbeifahre, macht der Mann Bilder von mir und ich frage mich, was soll das?  Dann fährt er neben mir her und fängt ein Gespräch an. Schliesslich halten wir an. Er arbeitet bei einem Radiosender und will ein Interview mit mir machen- auf Spanisch, greisch!! Ich soll erzählen was ich in Ecuador gemacht und so erlebt habe. Zum Schluss soll ich noch einen speziellen Gruss an Radio Genesis ausrichten. Gott sei Dank hat der Junge Humor und Geduld, ich habe mich nämlich dauernd verhaspelt und musste zig mal von vorne anfangen.

Während ich durch diese karge Landschaft fahre, kommt am Horizont eine Wolkenwand auf mich zu. Ich tauche ein und wiederum ändert sich die Landschaft.

 

provinz el oro- im bananencountry

 

Die Landschaft wird tiefgrün, alles total nebelig und nur noch Bananenstauden.

Bananen, Bananen, Bananen, unglaublich.

Das geht dann bis zur Küste so weiter. Die Provinz El Oro ist Bananenlieferant  Nr.1 in Ecuador und in Puerto Bolivar werden dann die Bananen in alle Welt verschifft. Machala erweist sich als schreckliche Stadt. Die Südamerikaner sind eh total Lärm abgestumpft. Alles hupt, aus den Lautsprechern kommen nur noch verzehrte Töne, aber so laut wie möglich muss es sein. Aber Machala setzt dem ganzen noch eins obendrauf. Würde am liebsten gleich weiterfahren. aber der Tag geht dem Ende zu und in meinen Beinen stecken 120km, dich ich heute gefahren bin.

Am nächsten Tag werde ich jedoch für alles entschädigt. Ich fahre mit Klappi und ohne Gepäck zum Hafen von Puerto Bolivar und möchte versuchen, auf die Insel Jambeli zu kommen. Es funktioniert auch super.

 

jambeli 

Auf einem Boot darf ich Klappi zu den Bananenstauden am Bug legen und die Fahrt geht zuerst über eine Lagune zur Insel und dann durch einen Kanal, eingesäumt von Mangrovenwälder auf die andere, dem Meer zugerichteten Seite, wo sich der Strand befindet. Aus den Mangrovenwäldern dringen viele verschiedene Tierlaute und im Schlick des Kanalrandes sieht man die unterschiedlichsten Vögel auf Nahrungssuche entlangstacksen. Dieses Kontrastprogramm der letzten Tage macht grossen Spass und bei Enfren und seiner Frau kriege ich dann noch gebratenen Fisch, Muscheln und Krabben zum Essen. Am gleichen Tag fahre ich noch nach Arenillas, einem Dorf dass kurz vor der Grenze liegt.

Ein typisches Südamerikaerlebnis, so wie es halt auch gehen kann, möchte ich euch aber nicht vorenthalten. Hab ja noch ein bisschen Zeit bis ich in Lima aufschlagen soll, also wollte ich 55km entfernt nach Puyango, hoch ins Gebirge fahren. Dort soll es nach meinem Reiseführer, den schönsten versteinerten Wald der Welt geben. Bin in den letzen 3 Tagen über 300km mit dem beladenen Velo gefahren, also ist heute Bus fahren angesagt. Der Portier im Hotel sagt, es fahren Busse noch und nöcher dorthin. Ich denke, hoch fahren ich mit dem Bus und runter mit dem Velo. Um 9.30 Uhr fahre ich los. Da ich nicht weiss wo der Bus in Arenillas losfährt, fahre ich mit Klappi soweit, dass ich schon auf der Strasse in diese Ortschaft bin und jeder Bus der vorbeifährt, zwangsläufig der richtige ist. Es kommt aber einfach kein Bus.

Neben mir ein fahrbereites Velo, was soll´s dann fahre ich halt mit dem Rad. Es ist sengend heiss und es geht kein Lüftchen. Insgesamt sind es 700 Höhenmeter bis zu einem Pass. Auf der anderen Seite geht es dann 300 Höhenmeter runter- ich kann mich nicht wirklich darüber freuen, denn ich muss ja diese Strecke auch wieder zurück.

Dann kommen Schilder- noch 25km- noch 10km- noch 3km bis zum versteinerten Wald- geschafft! Ich stehe vor einem grossen Schild und dort steht dann, dass es rechts auf eine kleine Strasse geht und es nochmals 5,5km bis zu diesem blöden versteinerten Wald sind. 55km in der Hitze mit dem Velo fahren, 700 Höhenmeter auf echt schlechter Strasse, denken man ist da – da sind zusätzliche 5,5km viel.

Ich komme dann an, ganz neue Gebäude, ein Büro, ein Museum, eine Toilette- nur alles geschlossen. Nicht schlecht- als Schwabe freue ich mich über den gesparten Eintritt von 10 Dollar, dann schaue ich mir die Versteinerungen halt so an. Es gibt schöne Schilder mit Hinweisen wo die Versteinerungen zu finden sind. Es hat Symbole von der Lage der Exponate und darunter mit Zahlen versehen eine Legende, wo was ist. Nur das diese Zahlen bei den Symbolen fehlen und somit das ganze Null Sinn macht. Im Führer steht dann auch drin, dass ein Guide nochmals 15 Dollar kostet. Ich fahre die Wege entlang und sehe keinen Menschen und auch keine Versteinerung. Es fehlt jeglicher Hinweis  wo die Versteinerungen sind, wahrscheinlich dass auch wirklich ein Guide notwendig ist, um die Versteinerungen zu finden.

Das ist eben auch Südamerika! Das Highlight dieser 120km Fahrt sind dann 2 wunderschöne Leguane die ich auf meiner Suche nach dem versteinerten Wald aufscheuche. Einer ist ca. 40cm lang und komplett grün und pfeilschnell. Der andere sitzt in einem Bachbett und ist ca. 1,30m lang, grau mit einem wunderschön geringelten langen Schwanz. In seinen Stacheln am Rücken hängen einige Blätter und so sitzt er im Bach und schaut mich an, jederzeit bereit, die Flucht zu ergreifen. Leider war es viel zu dunkel an dieser Stelle, den Burschen hätte ich gerne fotografiert.

 Hunde sind auch so ein Thema. Sie kommen alleine oder in einer Horde, oftmals voellig ueberraschend angejagt und verfolgen dich. Du weisst nie ob sie nur Spass an der Jagd haben und Abstand halten oder wirklich beissen wollen. Einmal bin ich bis jetzt gebissen worden. Seit ich im Oriente war, habe ich eine neue Taktik- ich bin lieber Jaeger als Gejagter. Habe seitdem ein Stock vorne in meinem Korb fixiert und wenn die Attacke nicht gar zu ueberraschend kommt, dann nehme ich den Stock und wenn auch nur ein Hund zu nahe kommt, dann ziehe ich im das Ding ueber die Muetze, meistens vergeht ihm dann schlagartig die Lust am Fange spielen.

 Auf dem Weg zu den Versteinerungen wurde ich von 6 Hunden in Form von grossen Dackeln verfolgt. Ein Geklaeffe war das. Ich hatte Zeit und war gut drauf, da dachte ich, jetzt drehe ich den Spiess um. Also wendete ich und mit lautem Geschrei fuhr ich auf die Hunde zu. Die drehten sich sofort zur wilden Fluchtum und rannten was die krummen Dackelbeine hergaben und ich mit Klappi hinterher.

Morgen fahre ich über die Grenze nach Tumbes, dem ersten grösseren Ort in Peru. Werde dort schauen wie die Busverbindungen nach Lima sind. Die Strecke nach Lima ist über 1000km lang und führt nur durch eine wolkenverhangene Stein- und Sandlandschaft, da muss ich nicht Velo fahren, zumal die Zeit dann auch knapp wird. Jetzt kommt ein neues Kapitel: Peru und Bolivien.

Kerstin und ich wollen uns zuerst wieder akklimatisieren und möglichst den Incatrail laufen und Machu Pichu anschauen. Dann am Titicacasee entlang nach La Paz. Ja und dann heisst es wieder: ab in die Kälte und Höhe. In Bolivien wollen wir die drei höchsten Berge besteigen und die sind nicht ganz ohne- der höchste mit 6500m.

 

kommentare:

Grüss dich Dieter, Was soll ich hier auch zuschreiben :-) Da bekommt man ja direkt Fernweh, nur würde ich es ohne Fahrad machen. Wobei dann nicht alles angefahren werden kann, vermute ich mal so am rande. Dein Durchhaltevermögen ist ja geradezu grandios "Daumenhoch". Die Sehenswürdigkeiten von den Inkas....WOW, bin ich doch ein Fan von solchen Orten. Nach deiner Bergbestiegener-Liste, hast du schon einige Fussmeter gemacht, da frage ich mich grad ob du mehrere Bergschuhe mitgenommen hast ;-) Lieben Gruss aus der Schweiz Daniel

Dieter: hallo daniel, danke für deinen kommentar- die berge habe ich ja im laufe von vielen jahren gemacht- ich habe nur ein paar bergschuhe dabei. beim latschen auf diese hügel sind jedoch in der tat einige schuhe draufgegangen, grins. werde dich in gedanken bei den kommenden inkaruinen mit auf die reise nehmen. gruss dieter

benjamin stanzel:mit dem fahrrad eine weltreise finde ich toll.

dieter: hallo benjamin, zur verwandschaft gehörend aber noch nie kennengelernt! freue mich dass du meine berichte liest und vielleicht lernen wir uns nächstes jahr kennen!


Peru- Incawalls und Bahngleise

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 19:46

Der Grenzübergang von Ecuador nach Peru verlief soweit problemlos- ausser dass ich bereits ohne die notwendigen Aus- und Einreiseformalitäten in Peru eingefahren bin. Kurz vor der Grenzstadt Aqua Verde kommt ein grosser Kreisel und eine neue Ortsumfahrung zur Grenze. Eine nagelneue Strasse und ein Schild: „Danke, dass sie Ecuador besucht haben“ Dann eine Umfahrung einer Brücke, die noch nicht ganz fertig ist und ein weiteres Schild: „Willkommen in Peru“. Schluck, da stimmt was nicht, da ist was illegal. Also alles wieder zurück und den regulären Weg durch die Stadt. Der Grenzübergang ist fast nicht besucht und die Formalitäten gehen zügig voran. Danach noch 25km nach Tumbe, der ersten grossen Stadt nach der Grenze. Es ist brütend heiss und die Landschaft sehr karg.

 

Bei der Einfahrt nach Tumbe finde ich gleich ein Busunternehmen dass am nächsten Tag nach Lima fährt- passt. Das Hotelzimmer ist eines von den schlimmen, nur ein kleines Fenster zum Flur dass ich nicht geöffnet lassen kann, weil man vom Fenster die Türe öffnen könnte. Die Hitze staut sich im Raum, der Wasserhahn tropft und der Ablauf ist nicht dicht.

Einen vergleichbaren Bus wie der nach Lima hingegen, habe ich bei uns daheim noch gar nicht gesehen: Megaweiche Ledersitze im Obergeschoss die sich auf 180° Grad flach stellen lassen, Decke und Kissen, eine Stewardess, Abendessen und Frühstück, so kann man auch eine über 1000km lange Strecke gut hinter sich bringen.

 

Morgens in Lima fährt mich Victor, ein megaübergewichtiger Taxista nach Miraflores in eine schöne alte Villa, die als Hosteria umfunktioniert wurde. Die typische  dichte Wolkendecke liegt über Lima, in Peru ist es gerade Winter. Es sind nur 30 Minuten zur Pazifikküste. Eine ca. 300m hohe Steilküste trennen die Häuser von der eigentlichen Küste. Entlang der Steilküste befinden sich Parks und auch ein Startplatz für Paraglider. 3 peruanische Falkner lassen dort ihre Raubvögel fliegen und animieren sie mit einem Federbausch an einer langen Leine zu unvorstellbar kühnen Luftmanöver.

 

Den nächsten Tag verbringe ich hauptsächlich im Hotel und lerne Anna kennen, eine Holländerin die als Volontärin mit armen Kindern in einer peruanischen Schule arbeiten will. Viele Gemeinsamkeiten sorgen für einen unterhaltsamen Nachmittag.

anna- von hinten wie von vorne A.N.N.A.

 

Dann ist es soweit. Victor fährt mich zum Flughafen und es heisst warten, weil ausgerechnet der Flug von Kerstin Verspätung hat. Als Kerstin, auch Elektra genannt, durch den Zoll kommt, ist die Freude wirklich riesig, aber da wir noch eine lange Reise vor uns haben, müssen wir eine Begrüssungsfeier etwas verschieben.

 

Noch in der gleichen Nacht fahren wir mit einem weiteren Luxusbus quer durch Peru nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inkareiches.

Ab jetzt gibt es natürlich aus verständlichen Gründen die bessere Kategorie von Hotelzimmer, will ja meine Chica nicht vergraulen.

 

Cusco ist wirklich schön. Der Mittelpunkt der Stadt ist der Plaza de Armas, ein Park umrahmt von 2 mächtigen Kirchen und vielen schön renovierten Kolonialhäuser. Die Fundamente der alten spanischen Kolonialhäuser sind auf Inkamauern mit ihrer typischen Bauweise aufgesetzt.

 

cusco

 

Der Besuch von Machu Picchu ist auch für uns, wie für so viele andere Touristen, ein Muss. Die Inkafestung liegt jedoch in einem schwer zugänglichen Tal und wird mafiös vom Staat ausgenützt, umdas Maximum an Geld von den vielen Touristen herauszuholen. Wir wollen aber nicht die horrenden Preise für den Inkatrail oder den Zug dorthin zahlen und auch etwas individuelleres erleben. Aus diesem Grund haben wir uns eine Alternativstrecke ausgesucht.

 

Mit einem normalen Bus sind wir dann spät Abends in Richtung Santa Maria, einem kleinen Ort im Busch, gefahren. Wir waren die einzigen Europäer in dem ausgelutschten Gefährt, aus Platzmangel haben sich Indios sogar im Mittelgang zum Schlafen gelegt. Es geht über eine unglaublich raue Piste. Links und rechts sieht man ab und zu im Lichtkegel, dichten Dschungel. Nachts um 2.00 Uhr kommen wir in Santa Maria an und es wartet schon ein Minivan, um die Personen die nach Santa Teresa wollen, weiter zu transportieren. Der öffentliche Verkehr ist bis in die kleinsten Flecken überraschend gut organisiert. Inklusive einem Baby sind wir zu zehnt in einem Auto, dass für 5 Personen konzipiert wurde- Südamerika pur.

 

Ein schmaler einspuriger Fahrweg zieht sich hinab in ein Tal. Links ständig eine Felswand und rechts ein Abgrund, wir sind froh dass wir nicht so viel sehen.

 

Um 3.00 Uhr kommen wir in Santa Teresa an, der Ausgangsort unserer Trekkingtour zum letzen Zufluchtsort der Inkas. Nach einer kurzen Schlafpause im Dorfpark laufen wir los. Es geht immer flussaufwärts durch ein enges Tal mit Bananenplantagen und Wasserfälle. Unterwegs treffen wir noch eine schwarzweiss geringelte Schlange die wir von der Strasse wieder ins Gebüsch befördern.

auf dem weg nach machu picchu

 

An einem Kraftwerk beginnt dann eine Eisenbahnstrecke. Sie ist die Endstation der Perurail, die in Cusco losfährt und die Touristen für 60.- bis 200.- Dollar zu den Inkas befördert. Entlang des Flusses, mal neben, mal auf dem Schienenstrang laufen wir durch eine tropische Landschaft. Der Flusslauf umschlängelt Machu Picchu und wir können die Ruinen bereits von unten erkennen.

 

Die Inkas brauchen ja auch eine Flagge und -wer auch immer in Südamerika- hat entschieden, eine Flagge mit Regenbogenfarben soll es sein. Nur ist dass auch die Flagge die die Schwulen für ihre Vereinigung gewählt haben. Jetzt hauen sich die Schwulen und die -wer auch immer in Südamerika-, wer denn jetzt das Recht auf diese Regenbogenflagge hat.

 

Übernachtet wird im Zelt und um 5.15 Uhr brechen wir auf, um die ca. 500 Höhenmeter nach Machu Picchu hochzulaufen. Die Lage der Inkafestung ist spektakulär und wir suchen uns einen möglichst hohen Platz zum Schauen und um die Atmosphäre in uns aufzunehmen. Um mit Läufern möglichst effektiv Botschaften über das ganze Land zu transportieren, wurde von den Inkas ein Wegnetz angelegt, dass weit grösser ist, als alles was die Römer und Griechen in einer wesentlichen längeren Zeitperiode gebaut haben.

 

machu picchu

 

Der Inkatrail ist wohl die berühmteste Wegstrecke davon, ein gepflasterter Weg mit vielen Treppen, der sich über 4000m hohe Pässe zieht. Wir laufen diesen Trail noch bis Incapunctu hoch, der letzen Festung, von der aus die Stadt vor unbefugtem Eindringen über den Inkatrail, beschützt wurde.

 

 

Nach dem Abstieg wollen wir gleich noch einen Teil des Rückweges angehen. Der weitere Weg aus dem Tal heraus, geht weiter flussaufwärts, an Aqua Caliente vorbei.

Aqua Caliente ist der Ausgangsort aller Touristen die mit der Bahn ins Tal fahren. In das enge Tal eingebettet erinnert uns das Dorf sehr stark an Namche Bazar in Nepal.  Hier sind die Gleise ziemlich befahren und wir müssen 30 verbotene Kilometer darauf zurücklegen. Nachdem wir einige Kilometer unbehelligt zurück gelegt haben und keine Probleme mit Bahnpersonal mehr zu erwarten sind, suchen wir uns einen Schlafplatz. Direkt am Fluss, auf einer Kiesbank bauen wir das Zelt auf. Es gibt hier kleine schwarze Mücken die man fast nicht sieht und bemerkt. Aber stechen können die!! Die Stiche jucken höllisch und wir liegen im Zelt und kratzen wie blöd- auch eine Art von Saversex.

 

Noch in der Dunkelheit laufen wir los und werden prompt von einem schnell dahergefahrenen Gefährt auf dem Bahnarbeiter befördert werden, überrascht. Nur ein schneller Sprung rettet uns. Wir sind froh als es hell wird und wir zumindest die von vorne kommenden Züge auch sehen können. Die Bahnarbeiter die an den Gleisen Reparaturarbeiten durchführen, sind sehr freundlich. In Südamerika werden Verkehrsregeln und Verbote höchstens als Empfehlungen angesehen- solange nichts passiert.  Immer wieder sehen wir an den Talhängen alte Inkaruinen und am Horizont überragen schneebedeckte Berge die Talränder.

auf den bahngleisen der perurail 

 

Ollantaytambo, die erste grösser Ortschaft die wir nach dem Tallauf erreichen, überrascht uns mit einer weiteren sehr gut erhaltenen Inkafestung. Mit 2 Amerikanern und einer Französin, kommen wir mit einem Taxi bis nach Urubamba.

Nun wird es schwierig, weil die für uns notwendigen Strassen nach Cusco, von demonstrierenden Indios blockiert werden. Die Taxifahrer befürchten, dass ihre Autos mit Steinen beworfen werden, wenn sie Touristen befördern. Unsere Gruppe ist inzwischen um 2 weitere Französinnen angewachsen. Wir finden einen Taxifahrer der bereit ist, uns nach Cusco zu fahren. Mit Telefonrückfragen erkundigt er sich stets bei Kumpels, wie der Verlauf der Demonstration auf dem folgenden Streckenverlauf ist. Wir sind wieder südamerikanisch unterwegs: In einem normalen Kombi stapeln sich der Fahrer, 2 Amerikaner, 3 Französinnen und wir- samt Gepäck versteht sich.

 

Nun sind wir parat, um heute Nacht nach Cobacabana zu fahren, dem Grenzort nach Bolivien, am Titicacasee gelegen.

 

Dann geht es weiter nach La Paz und zu den hohen Bergen. Wir haben das Gefühl, noch nicht ausreichend akklimatisiert zu sein und werden wahrscheinlich noch vor dem ersten 6000er einen 5000er besteigen. Wir sind bereits in dieser Stimmung die wahrscheinlich jeder Bergsteiger vor grossen Bergfahrten kennt, teils aufgeregt und das Klettern fast nicht erwarten könnend und auf der anderen Seite so ein nervöses Flimmern im Bauch, ob auch alles gut geht.

 

stone(d)age

 

Bis bald,

Elektra und TE

 

Kommentare:

hay ihr 2 // MiSS euch beiide vol dolle ... freu mich schon ganz arg auf euch .... und muddy du sagts du biist unfotogänisch .. find ich gar nicht sind klasse bilder von dir und euch drin /// eure lisa /// ily♥

 

Dieter: hallo lisa, vielen dank für deinen kommentar. so, so, die muddy findet sich unfotogähn- manchmal braucht es dass eine foto mehr bis ein gutes bild zustande kommt, aber unfotogähn- nee. freu mich auf dich! gruss dieter

 

Die Geschichte direkt bei einer solch zauberhaft/fantastischen Gegend zu erleben, da müssen wirklich Glücksgefühle aufkommen. Die Götter mögen euch begleiten auf euren Bergtouren. Lieben Gruss Daniel

lieber daniel, pack mal deinen rucksack und erlebe es selbst. für 1000 sfr kannst du hier einen ganzen monat mit allem drum und dran leben. vamos.

gruss dieter

 

 

Na dann viel Erfolg auf den Gipfeln Boliviens, drück euch die Daumen und hoffe das Wetter paßt, hier schüttet es mal wieder was runtergeht. Und nicht vergessen ausreichend Cola und Chips mitzunehmen ! Hasta la vista, Yak

Danke Yak, habe inzwischen den potosi knapp und den illimani ganz geschafft und cola war natürlich dabei, jetzt müssen wir noch auf den chipsgeschmack kommen! lieber gruss dieter und E


Bolivien- hartes Bergsteigerleben

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 17:11

Die Fahrt von Cusco nach La Paz war hart. Der Bus war schon alt und die Fenster teilweise kaputt. Die eiskalte Zugluft und der fehlende Platz für die Füsse, waren kein Vergnügen. Am Morgen fahren wir am Titicacasee entlang. Der Kontrast des blauen Wassers, der braunen monotonen Tiefebene, den Fischerbooten und Bauern auf den Feldern und dahinter die schneebedeckten Berge der Cordilliera Real- Fotomotive, einfach unglaublich- leider sind wir im Bus und können nicht einfach anhalten. Hierher müssen wir noch mal kommen. An der Grenze nach Bolivien, bei den Aus- und Einreisebüros, hat sich eine lange Menschenschlange gebildet, es hat einen 2-tägigen Streik gegeben und jetzt steht halt alles an, wir auch.

geldwechslerin

Dann ist auch das geschafft. In Bolivien ist das Polizei- und Militäraufkommen hoch, wir werden einige Male angehalten. Einmal müssen wir den Bus verlassen, unsere Papiere vorzeigen.

La Paz ist faszinierend. In ein Tal eingezwängt, eine Riesenstadt. An alllen nur möglichen Berghänge sind die Häuser hochgebaut worden. Dort wo sich hohe Felsen befinden, wurde drum herum gebaut.

blick auf la paz von el alto

open air telefon

lama embryos als glücksbringer

 

Wir schauen uns für einen Tag auf den von Märkten bevölkerten Strassen um und versuchen in Erfahrung zu bringen, an welcher Stelle ein Bus zum Passo Zungo losfährt, dem Ausgangspunkt für den den Huany Potosi, und nochmals einem 5000er dessen Namen mir gerade entfallen ist, die zwei Berge die wir als erstes besteigen wollen.

 

Morgens um 5.00 Uhr sind wir parat und finden auch nach längerem Suchen die richtige Bushaltestelle. Es gibt zwar keine Plätze mehr im Bus aber irgendwie geht es dann doch, wir sind wie so oft, die einzigen Europäer.

 

Über eine Wellblechpiste fahren wir bis zum Pass und stehen dann vor unseren mächtigen Bergen. An einem in den Berg eingelassenen Wasserkanal steigen wir in ein Tal und immer höher zum Gletscher. Wir ziehen unsere Steigeisen an und steigen über einen  gleichmässig ansteigenden Gletscher ohne technischen Schwierigkeiten dem Gipfel entgegen, genau der richtige Berg zum Akklimatiseren.

Als wir ein Lager mit wunderschöner Sicht eingerichtet haben und unser Abendessen machen wollen, stellen wir fest, dass der schweineteure Brenner von Primus nicht mehr funktioniert. Wir beraten uns und beschliessen zum Refugio vom Huyana Potosi zu laufen und zu schauen, ob wir den Brenner reparieren oder einen anderen leihen können. Am Potosi in einem Hochlager auf über 5000m zu biwakieren und keine Möglichkeit zu haben etwas Warmes zu kochen, ist mehr wie ungemütlich.

reparaturteam aus england

Im Refugio finden wir eine Schülergruppe aus England vor, die mit einem Guide und ihrem Lehrer unterwegs sind. Mit Begeisterung stürzen sie sich auf die Herausforderung und scheinen auch den Brenner repariert zu haben. Am nächsten Tag steigen wir trotz schlechter Wettervoraussage über eine Moräne in Richtung Hochlager des Potosi . Als wir dort auf 5400m ankommen, schneit es bereits heftig.

Da wir befürchten am nächsten Tag eingeschneit zu sein und keine Chance für einen Gipfelgang zu haben, wollen wir, obwohl es schon Nachmittag ist, den Aufstieg wagen. Wir kommen bis auf 5800m und geben dann auf, weil wir keinerlei Sicht mehr haben und befürchten, dass unsere Spuren komplett verweht sind und wir nicht mehr zurückfinden. Am Zelt angekommen kriechen wir hinein, das Zelt ist schon halb mit Schnee bedeckt. Wir sind durstig, total dehydriert und benötigen dringend etwas zu trinken. Aber der Brenner funktioniert nicht, er ist undicht und alles stinkt nach Benzin. Völlig frustriert versuchen wir zu schlafen, wir haben Durst, nichts gegessen und der Benzingeruch hängt überall. Wir beschliessen am nächsten Morgen abzusteigen.

hochlager potosi

 

Dann hören wir um 3.00 Uhr nachts, Seilschaften an unserem Zelt vorbeilaufen, auf dem Weg zum Gipfel.  Fast jeder Guide gibt seinen Kommentar ins Zeltinnere ab: „Vamos, a Cumpre!“ Wir beschliessen spontan noch einen Angriff zu starten, obwohl wir nichts zu trinken haben. Es schneit bereits wieder und der Wind nimmt mit jedem Höhenmeter zu. Wir überwinden einen schwierigen Bergschrund. Kurz vor dem letzen Gipfelanstieg auf ca. 5900m geht nichts mehr- der Schnee ist zu hoch und alle Seilschaften kehren um. Ich möchte nicht wegen diesem Berg unser Leben riskieren und wir gehen auch wieder Richtung Zelt, unsere Spuren können wir fast nicht mehr finden. Der Abstieg wird hart, bis zum Refugio am Pass sind die Felsen vom Schnee bedeckt und schwierig zu begehen.

ueber nacht wurde es winter am potosi

 

In La Paz bekommt Kerstin Probleme mit dem Magen und muss einen Tag ruhen. Ich nütze diesen Tag für einen Downhill auf der  weltberühmten Death Road, eine Strasse mit den angeblich weltweit meisten Verkehrstoten. Eine Dirtroad die von ca. 4500m auf 1500m, von schneebedeckten Bergen, bis in den Dschungel führt. Das Handicap ist, dass der Rand der Strasse in einigen Passagen, ohne irgendeine Abschrankung, einige hundert Meter in den Abgrund abfällt. Das Adrenalin bleibt ein wenig aus, weil wir in der Schweiz gefährlichere Trails haben, aber der Spass, mit einem Fully über 3000 Höhenmeter zu vernichten und durch mehrere Vegetationszonen zu fahren ist auf jeden Fall da.

In La Paz bereiten wir uns auf unseren nächsten grossen Berg vor, den Illimani mit 6440m. Auch hier haben wir Probleme, überhaupt an den Bergfuss zu kommen. Wir können die Haltestelle für den Bus nicht finden. Von La Paz ist der Berg nur ca. 40km entfernt. Aber der Weg dorthin ist so zerklüftet durch tiefe Täler, die durchfahren werden müssen, dass die Fahrt eigentlich nur mit einem Allradfahrzeug Sinn macht.

Bolivien ist ein Entwicklungsland und die Bevölkerung macht ihrem Land alle Ehre. Obwohl wir dann doch noch später herausfinden, dass die Haltestelle nur einige hundert Meter von der Stelle weg war an der wir gesucht haben, konnte uns kein Bolivianer die richtige Stelle angeben, im Gegenteil- jeder schickte uns irgendwo anders hin.

Mich spricht auf der Suche nach der Bushaltestelle ein Taxifahrer an. Ich frage ihn ob er den Weg nach Estancia Unno kennt, dem Ausgangsdorf zum Basislager des Illimani. Er bestätigt dies und meint, er ist die Strecke schon 3x gefahren. Als er dann auch noch nur 50.- Dollar verlangt, entscheiden wir uns, mit dem Taxi dorthin zu fahren. Schon kurz nach La Paz wird die Strasse extrem schlecht. Tiefe Wasserrinnen und tiefe Löcher lassen den Pkw und die Nerven des Taxista an seine Grenze kommen. Das Auto setzt auf, die Bremsen überhitzen und werden mit Wasser aus dem Bach gekühlt und der Taxifahrer wird immer sauerer. Schliesslich verlangt er das doppelte an Preis. Ich sage vorerst nichts dazu, weil ich befürchte, er lässt uns dann aussteigen und wir stehen in der Prärie. Als wir irgendwann in Estancia Unno ankommen, weigere ich mich, diesen Betrag zu bezahlen und es kommt zu einer hitzigen Diskussion. Ich gebe ihm mehr, weil ich selbst erkannt habe, dass er mit seinen 50 Dollar von hinten bis vorne nicht hinkommt, aber keine 100 Dollar. Uns kommt Valentino entgegen, ein Porter den wir am Potosi kennengelernt haben und der uns helfen soll, unser Equipment bis ins Hochlager zu schaffen. Da er irgendwie der Schule vorsteht und heute etwas dort zu tun hat, will er uns von seinem 7-jährigen Sohn bis ins Basislager begleiten lassen.

auf dem weg ins base camp

 

Seit wir das letzte Dorf vor dem Basislager verlassen haben, begleitet uns ständig ein mittelgrosser schneeweisser Hund, der wie eine Art Collie aussieht. Wir haben grossen Spass an dieser Begleitung. Er weicht uns nicht mehr von der Seite als wenn er schon lange zu uns gehören würde. Kerstin überlegt schon, wie sie ihn nach Deutschland kriegen kann. Er schläft wie selbstverständlich in der Apsis unseres Zeltes.

basecamp mit pedro, unserem begleiter

 

Nach einer total erholsamen und gut durchschlafenen Nacht kommt um 8.00 Uhr, Valentino. Wir verteilen die Lasten und steigen ca. 1000 Höhenmeter über Moränen und sehr schuttige Bergflanken zum Hochlager, Nido de Condores auf 5450m.

weg ins hochlager nido de condor

 

Hier treffen wir eine Seilschaft an, die an diesem Tag den Gipfel bestiegen hat und gerade dabei ist, ihr Zeug zusammenzupacken und ins Tal abzusteigen. Bald sind wir wieder total alleine. Wir haben nicht erwartet dass ein so berühmter Berg so wenig besucht ist. Wir geniessen noch einen wunderbar sonnigen Nachmittag mit einer grandiosen Aussicht.

hochlager illimani

 

Die Nacht ist kurz, um 3.00 Uhr richten wir uns für den Gipfelgang. Wir entschliessen uns aufgrund der Aussagen der Seilschaft von gestern, ohne Seil einen Sologang zu wagen, nehmen aber alles notwendige Equipment zur Sicherung mit. Die Flanken sind sehr steil, 45°- 55° Grad aber ohne grosse technische Schwierigkeiten. Wir kommen gut voran, das Wetter ist perfekt. Ab 6000m fällt es mir immer schwerer zu klettern, irgendwie kann ich mich ab dieser Höhe nicht richtig akklimatisieren. Kerstin dagegen wird immer fitter. Schliesslich sind wir am Gipfelgrat, aber wir sind wirklich total geschafft. 1000 Höhenmeter an einem Tag in dieser Höhe kann nicht gesund sein. Gott sei Dank geht es runter um so schneller.

Im Hochlager liegen wir in unsere Schlafsäcke eingemummelt in der Sonne, bis Valentino kommt. Wir packen zusammen und steigen die vielen Höhenmeter ins Basislager ab. Valentino nimmt unsere Hardware mit ins Dorf und wir bleiben auf der Hochebene und schlagen unser Lager auf.

Die Besteigung der 2 hohen Berge ist uns sehr schwer gefallen und wir spielen mit dem Gedanken, vielleicht die restliche Zeit in Bolivien mehr das Land anzuschauen und auf die Besteigung des Sajama zu verzichten. Eine äusserst unangenehme Begebenheit über die ich noch berichten werde, nimmt uns diese Entscheidung jedoch sowieso ab.

Titicacasee- Isla del Sol

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 20:28


Eine Reise nach Bolivien, ohne den Titicacasee, den höchst gelegenen Binnensee der Welt besucht zu haben, geht nicht. Also sind auch wir von La Paz mit dem Bus nach Copacabana gefahren, der bekannteste Ort am Titicacasee und Ausgangspunkt um auf die Isla del Sol zu kommen. Copacabana haben wir uns anders vorgestellt, so tourimässig mit schöner Uferpromenade am Strand entlang und so. Die Realität ist, dass der Strand voll Autos von Einheimischen verparkt ist und alles vor Dreck starrt. Wir sind überhaupt zusehends angewidert von dem ganzen Schmutz überall und dem absolut fehlenden Umweltbewusstsein. Jeder lässt seinen Müll gerade dort fallen, wo er geht und steht. Garküchen auf den Strassen sind teilweise umsäumt von ganz ekligem, flüssigem und festem, übelriechendem Zeugs und die Bäuerinnen sitzen mittendrin und niemand nimmt den Dreck überhaupt noch war. Tiere werden mit Fusstritten oder Steinen ohne ersichtlichen Grund verjagt- wahrlich ein Land mit viel Entwicklungspotential aber für uns fast zu nahe am Bodensatz um es noch geniessen zu können. In totalem Gegensatz jedoch, steht dann die Landschaft, die mit ihrer Kargheit und dem Farbenspiel an Brauntönen der Erde und Felsen und dem Blau des Himmels und des Wassers, wunderschön ist.

 

Wir sind ausgerechnet an dem wichtigsten religiösen Feiertag Boliviens  in Copacabana aufgeschlagen, dass dazu noch ein Wallfahrtsort ist. Neben der Ortschaft ist ein hoher Berg, auf dem Heiligenstatuen und ein grosses Kreuz aufgestellt sind. Von dort wird Feuerwerk abgefeuert und ganze Scharen an Menschen pilgern die steilen Wege nach oben.

Wir steigen auch auf den Berg, um zu schauen, was da los ist und sind einigermassen irritiert, wie dieses Fest gefeiert wird. Oben auf dem Berg gibt es unzählige Stände mit Autos und Häusern in Modellform. Eine Frau preist lautstark ihre Ware- Spielgeld in Dollarform an: „ Dollares, Capital!“ Diese Modelle und das Spielgeld werden dann von den Gläubigen gekauft und neben einem Feuer aufgestellt oder verbrannt und dabei werden Gebete und Andachten gehalten, in denen um diese materiellen Dinge gebeten wird. Alles ist auf materielle Güter ausgerichtet. In Anbetracht der in Nepal noch viel stärker erlebten Armut und der vom Materialismus völlig abgewandten Geisteshaltung der buddhistischen Nepalesen, die einzig und allein an ihrer spirituellen Weiterentwicklung interessiert sind, das volle Kontrastprogramm. Ich sollte hier als gutsituierter Europäer kein Urteil über dieses Gebaren abgeben, obwohl ich sehr wohl eine Meinung über dieses scheinheilige, katholische „religös“ sein, habe.

 

Die Bootsfahrt zur Isla del Sol, entlang an kargen Uferlandschaften und vorgelagerten Inseln, einen Himmel mit zerissenen Wolken- nur schön. Dann, auf der Insel mit ihren Inkaruinen, ein Weg der sich über den ganzen Rücken der Insel zieht, tiefblaues Wasser- wir können uns nur schwer vorstellen, auf über 4000m zu sein, wir fühlen uns eher auf einer der Inseln im Meer der Ägäis.

Wunderschöne Fotomotive, eine geruhsame Tageswanderung, Stille und Zeit zum Reden- ein gelungener und notwendiger Tag nach den Erlebnissen am Illimani.


Salar de Ujuni

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 20:39

Über Nacht sind wir von La Paz nach Ujuni gefahren. Die Strasse ist eine Mischung aus Asphalt und Feldweg. Die Feldwegkomponente hat allerdings eine Beschaffenheit, bei der unsere Bauern daheim Angst um ihre Traktoren hätten.

Die tolle Organisationsfähigkeit der Bolivianer verfolgte uns die ganze Reise durch. Wir haben die Hin- und Rückfahrt sowie die Jeeptour in La Paz gebucht. Die Busgesellschaft hatte dann keine Ahnung von unserer Reservation, dann waren die Sitze die wir letztendlich im falschen Bus bekommen haben, doppelt vergeben.

In Ujuni wusste die Reiseagentur wieder nichts von unserer Reservation und aus dem ursprünglichen Start der Tour durch die Salzseen und Lagunen der Region um 9:30 Uhr, wurde dann fast 12:00 Uhr. Platz fanden wir in einem Fahrzeug dass eine Art Besenwagenfunktion inne hatte und die Übriggebliebenen aller Agenturen aufsammelte.

Glück im Unglück hatten wir, da unsere Reisegruppe sehr gut zusammenpasste und wir mit Pedro einen knuffigen, sehr netten Fahrer hatten, der immer um unser Wohl besorgt war und offensichtlich Spass an seinem Beruf hat.

Die Landschaft um Ujuni, hoch auf dem Altoplana gelegen, ist unglaublich. Wir waren 3 Tage unterwegs und ein landschaftliches Highlight folgte dem anderen.

Ausserhalb von Ujuni besuchten wir als erstes einen Zugfriedhof. Ich habe bereits vor über 10 Jahren bei einem Bekannten in Berlin, Bilder von diesem Friedhof gesehen und nicht gedacht, dass ich da mal selbst hinkomme. Es handelt sich mehrheitlich um englische Dampflokomotiven. Die Lokomotiven und Anhänger in langen Reihen aufgereiht, als wenn sie gleich losfahren würden und dass in dieser einsamen, kargen Wüstenlandschaft- surrealistisch und einfach cool!

 

zugfriedhof

 

Der nächste Ort war dann die Salar de Ujuni selbst. Ein weisses, gleissendes Licht über einer unendlich weiten Salzebene. Auf dem Boden haben sich wabenähnliche krustige Strukturen gebildet. Wir fahren stundenlang durch diese Landschaft, am Horizont gibt es ständig Luftspiegelungen so dass die Berge und Inseln in der Luft zu schweben scheinen. Die Isla de Pescado sieht Dank dieser Luftspiegelung aus, als wenn ein Fisch vorbei schwimmt.

isla de pescado

 

ujuni art

 

haus aus salzbloecken gebaut

 

Dann kommen wir an eine der über 80 Felsinseln in der Salzwüste, die mit Kakteen bewachsen ist. Die Kakteen sind sehr dick und teilweise über 1000 Jahre alt.

Pedro, dessen Standardspruch: „todos es possibile, nada es securo“ lautet,  timed unsere Fahrt so, dass wir noch einen schönen Sonnenuntergang im Salz erleben. Es ist seltsam, dass sich durch diese schier endlose Ebene ein Horizont ergibt, der uns 360° Grad umgibt, gerade so, als ob die Erde tatsächlich eine Scheibe wäre.

salar de ujuni

Geschlafen wird in einem Hotel, am Rand des Salzsees. Wir haben ein Zimmer gemeinsam mit Ellen und Paul, einem holländischem Paar mit dem die Chemie besonders gut stimmt- kein Wunder- Paul fährt Ducati, trainiert Krav Maga.....passt.

Morgens geht es in Richtung einer Lagunenlandschaft die sich im Grenzgebiet zu Argentinien und Chile befindet. Pedro informiert uns über die Namen der jeweiligen Lagunen, die sich meistens nach der jeweiligen Farbe des Wassers richten. Die unterschiedlichen Farben kommen aus der chemische Zusammensetzung des Wassers in Verbindung mit den gelösten Mineralien zustande. Sogar die Farbe der hier zahlreich vertretenen Flamingos wird durch diese Mineralien beeinflusst. Die farbigen Lagunen, die mineralischen Ablagerungen mit den unterschiedlichsten Farben und die Vulkane ringsum ergeben ein herrliches, surrealistisches Ambiente.

lagunen in allen farben

Auf unserer Fahrt sehen wir noch einen aktiven Vulkan und halten in einem Gebiet mit viel Lavagestein dass sich mit seiner Härte und scharfen Kanten vortrefflich bebouldern lässt.

 

Der Arbol de Piedra ist unser nächstes Ziel. In echt ist er noch beeindruckender in seiner ungewöhnlichen Form, wie auf allen Bildern. Die karge von Felsen unterbrochene Weite erinnert sehr stark an Salvador Dalis Bilder.

arbol de pietra

Schlafen tun wir heute in einer laut Pedro, Hosteria Basico. Wir sind diesmal alle in einem Zimmer. Es ist sehr kalt hier, draussen weht ein Wind und die zahlreichen Decken auf den Betten sind so schwer, dass es anstrengend ist, sich zu drehen.

Um fünf weckt uns Pedro und wir fahren ohne Frühstück los. Nach einer Stunde Fahrt sehen wir Rauch. Wir sind auf einer kraterähnlichen Fläche auf 5000m und sind umringt von Geysirs. Mit der aufgehenden Sonne und dem Dampf, den mineralienverkrusteten  Blubbergeysirs in allen Grössen, ergibt sich ein Rausch an Lichteffekten und Farben. Wir geniessen dieses Ambiente und können uns nur wegen der beissenden Kälte trennen.

 

Wir fahren runter auf ca. 4500m zu einer Lagune- endlich Frühstück. Es hat dort warme Quellen vulkanischen Ursprungs- Kerstin und ich lassen es uns nicht nehmen, in das glasklare und schöööön warme Wasser zu gleiten, ein gelungener Reisetag der für viele schlechte Erlebnisse der letzen Zeit entschädigt.

 

Wir fahren am nächten Tag zu einer weiteren Lagune namens Laguna Verde, der grüne Farbton lässt jedoch zu wünschen übrig, weil kein Wind geht und nur bei Wind die grüne Farbe, verursacht durch lauter feine Sachen wie: gelöstes Borax, Arsen und Blei zur Geltung kommt. Wir sind nun an einem Länderdreieck angekommen. Hier treffen die Grenzen von Bolivien, Chile und Argentien zusammen.

laguna verde

Alle unsere netten Begleiter gehen über die Grenze nach Chile und Kerstin und ich fahren zurück nach Ujuni und über Nacht nach La Paz zurück. Dass die Reservierung für den Bus wieder nicht funktioniert hat, brauche ich eigentlich gar nicht mehr zu erwähnen, oder?

 

 

kommentare:

 

Nice pictures (they look like mine... ;-) We are home again. It was a wonderful experience: south america, especialy the Uyuni trekking! Good luck and see ya!

Paul

Very nice pictures, th elook lik emine... ;-) We realy enjoyed South America, espacialy the Uyuni trekking. Good company and an AMAZING landscape..... Good luck! (PS: Buell build pics: http://www.youtube.com/watch?v=A4uKB9WzVQ0)

Paul

 

Dieter: Hallo Paul,

thanks for the comments and that you be in my blog. We also enjoy your company and the Ujuni Trip. Hope we stay in contact and see us (in swizer- or dutchland;O))  with the asses on our ducatis or the weapons in hand, in a krav maga studio!!!

can you give me once more your email adress?

 

 

Unglaublich schöne Bilder, die teilweise so surreal erscheinen das es kaum möglich erscheint das es diese Motive in echt gibt! Liebe Grüsse Dani

Dieter: hallo Daniel, warte erst auf die Diashow zuhause, bist natürlich herzlich eingeladen- bringst halt wachmachermedizin oder schlafsack mit  ;O)

 

 


Ueberfall im Basecamp des Illimani

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 20:40

Da ich in meinem Blog bisher zum grössten Teil über schöne Erlebnisse berichten durfte und ich die Abenteuer so nah wie nur möglich an der Wahrheit geschrieben habe, muss ich auch über ein Erlebnis berichten, dass nicht so erfreulich war und schier unser Leben gekostet hat. Ich stelle diesen Bericht erst jetzt in den Blog, weil Kerstin inzwischen wieder zu Hause ist und die Familie sich so keine Sorgen mehr zu machen braucht.

 

Der Bericht soll dazu dienen, dass Personen die sich vielleicht durch diese Reiseerlebnisse ebenfalls motiviert fühlen, eine individuelle Reise durch Lateinamerika durchzuführen, sich bewusst sind, das dies auch sehr gefährlich sein kann und gewisse Spielregeln zu beachten sind.

 

Ich habe meine Prinzipien was das Biwakieren betrifft, in vier Monaten nur einen Tag nicht beachtet und wir wurden dafür sofort bestraft.

 

Aus einem der zwei Dörfer die dem Berg am nächsten liegen, haben wir uns einen Träger engagiert, der uns behilflich war, die Ausrüstung zuerst ins Basislager des Illimani und danach ins Höhenlager auf 5500m zu schaffen.

 

Das Basislager des Illimani liegt auf einer einsamen, wunderschön gelegenen Hochebene und wir haben uns entschlossen, nach der Besteigung und dem Abstieg hier noch einen Tag zu verbringen und uns zu erholen.

 

Der Träger der uns auch beim Abstieg mit dem Transport der Ausrüstung behilflich war, liess uns im Basislager zurück. Um das Gewicht der Rucksäcke beim Abstieg ins Tal zu reduzieren, gaben wir ihm die ganze nicht mehr benötigte Hardware, wie Eisäxte, Eishammer, Eisschrauben, Firnanker, Klettergurte, Karabiner, Bandschlingen, Seile usw. mit. Da aus dem Heimatdorf des Trägers auch der Autobus für die Rückfahrt nach La Paz abfuhr, bot sich dies an.

 

Dass wir während der gesamten Besteigung dieses berühmten Berges total alleine waren, wunderte uns. Wir haben erwartet dass hier mehr los ist und wir somit auch den Schutz einer Gemeinschaft haben.

 

Nach einem sonnigen erholsamen Tag an dem wir in der Sonne gelegen, gelesen und viel zum Trinken gekocht haben, krochen wir bei Sonnenuntergang in unsere Schlafsäcke, die Nächte in Bolivien auf 4500m sind bitterkalt. Um ca. 2.00 Uhr in der Nacht weckt mich Kerstin aufgeregt, sie hat gehört wie jemand gegen die Zeltwand geschlagen hat. Ich krieche, nur notdürftig bekleidet und barfuss aus dem Zelt und sehe zunächst niemand.

Dann stürmen 4 Personen die sich hinter dem Zelt versteckt haben auf mich ein. Sie sind mit Stöcken bewaffnet und beginnen ohne ein Wort zu sagen oder sonst wie eine Kommunikation herzustellen, mit brachialer Gewalt auf mich einzuschlagen.

Es sind ein Erwachsener und 3 Halbwüchsige. Sie sind mit langen dunklen Kutten bekleitet und starren vor Schmutz. In mir erwecken sie mehr den Eindruck von tierischen Kreaturen als von Menschen. Als ich in der mit Raureif bedeckten Wiese ausrutsche und zu Boden gehe, bekomme ich zwei Treffer am Kopf und ich spüre, wie mir sofort das Blut über das Gesicht zu rinnen beginnt. Inzwischen ist auch Kerstin aus dem Zelt gekommen und wird sofort in das Kampfgeschehen mit einbezogen.

 

Aus den Augenwinkeln erkenne ich dass auch Kerstin zu Boden gegangen ist und von harten Schlägen am Kopf getroffen wird. Mir gelingt es, mich kurz aus dem Kampfgetümmel zu entfernen und und aus meinem Rucksack, der in der offenen Apsis des Zeltes liegt, mein Tränengas zu greifen. Danach gelingt es mir, mit harten Fusstritten und dem Einsatz von Tränengas, den Erwachsenen und einen seiner Komplizen in die Flucht zu treiben. Kerstin hat es geschafft, einen Stock von einem der zwei Angreifern mit denen sie im Kampf verwickelt ist,  in ihren Besitz zu bekommen und ich sehe, wie sie wild auf einen der Angreifer einschlägt und der Stock auf seinem Körper zerbricht- auch diese beiden Angreifer ergreifen die Flucht.

 

Wir ziehen uns schnell weitere Kleidung und vor allem unsere Schuhe an. Wir bluten sehr stark aus mehreren Kopfwunden. Es ist eine vollkommen klare Vollmondnacht, man kann kilometerweit über die Hochebene sehen. Wir sehen, wie sich die Angreifer wieder zusammenrotten und im Begriff sind, zurück zu kommen. Wir entschliessen uns dass Lager aufzugeben und zu fliehen. Wir schnappen nur die Rucksäcke die in der Apsis liegen, ungeachtet was sich noch im Zelt und was sich im Rucksack befindet. Die Flucht ist wegen des Vollmonds sehr schwierig. Hinter dem Zelt hat sich ein Bach tief in die Erde gefressen. Diese tiefe Rinne benützen wir, um in Richtung einer Hügelkette zu fliehen. Dort angekommen, schleichen wir von einem Fels zum anderen auf die Spitze eines Hügels. Während Kerstin in Deckung geht, ziehe ich mir meine Sturmmütze über, damit mein Kopf nicht so schnell gesehen werden kann und schaue ich mich nach etwaigen Verfolgern um. Ich sehe, dass die Angreifer noch mit unserer Ausrüstung im Biwak beschäftigt sind.

 

Meiner realistischen Einschätzung nach, darf es zu keiner weiteren Konfrontation mit den Angreifern kommen, auch die Gefahr dass sie aus dem naheliegenden Dorf Verstärkung holen und uns suchen, ziehe ich ins Kalkül.

 

Pedro, unser treuer Begleiter der letzten Tage ist ein weiteres nicht kalkulierbares Risiko für uns geworden. Er hat ärgerlicherweise nicht angeschlagen als die Verfolger unser Zelt umkreisten. Anzunehmen dass die Angreifer im gleichen Dorf wohnen wie er und er sie kannte. Nun findet er den nächtlichen Ausflug ganz toll und springt um uns herum. Erziehung hat er nicht genossen und ich kann ihn nicht in Deckung halten. Sein schneeweisses Fell muss ebenfalls von unserem Biwak und somit von den Angreifern deutlich zu sehen sein. Ich erkläre Elektra meine Bedenken und bitte um ihr Einverständnis- dann schicke ich den Hund so schnell und schmerzlos es in dieser Situation halt geht, in den Hundehimmel- sorry Pedro.

 

Wir hasten auf der anderen Seite des Hügels hinunter und entdecken ein enges, tiefes Bachbett dass in ein Tal hinunterstürzt und in dass das Mondlicht nicht hineinleuchtet. Dort steigen wir hinein und bereits nach einigen Metern befinden wir uns im Schutz der Dunkelheit. In einer Felsmulde, neben dem zu Eis erstarrten Bachlauf, legen wir unser Rucksäcke auf den Boden und verstecken uns.

 

Mir ist klar, wenn wir unentdeckt den Tagesanbruch (über)erleben, sind wir in Sicherheit. Ohne Schlafsäcke mit nur einer Daunenjacke ( ich habe meine Daunenjacke in das Fussende meines Schlafsackes gestopft um zusätzlich die Füsse zu wärmen), wird die Nacht unendlich lang und schrecklich kalt.

 

Irgendwann dämmert es dann doch und wir gehen vorsichtig zu unserem Lager zurück. Das ramponierte Zelt steht noch, daneben liegen meine Expeditionshandschuhe, alles andere an Ausrüstung ist weg. Überall liegen Teile von zerbrochenen Stöcken und viel Blut. Wir finden auch noch Kerstins Brille, die beim Kampf verloren ging.

 

Wir steigen hinab ins Tal und gehen auch durch das noch schlafende Dorf, in dem wir die Angreifer vermuten. Ich schaue aufmerksam in die Höfe der Häuser, kann aber keine Ausrüstungsgegenstände von uns entdecken. Niemand hätte mich aufgehalten in das betreffend Haus einzudringen und mich eingehend um diese Kreaturen zu kümmern!

nichts fuer schwache nerven....

 

 

Im Dorf Estancia Unno angekommen, gehen wir zum Haus unseres Trägers und versorgen Kerstins Wunden. Valentino und seine Familie sind sehr betroffen von dem Vorfall und wir erleben ehrliche Anteilnahme. Mit dem Bus fahren wir in einer abenteuerlichen Fahrt, der Fahrer muss in seinem vorigen Leben Ralleyfahrer gewesen sein, nach La Paz und gehen sofort in ein Hospital. Kerstin hat starke Prellungen an den Armen von der Abwehr der Schläge und Abschürfungen am linken Wangenknochen, daraus soll sich noch ein herrliches Veilchen entwickeln. Des weiteren hat Kerstin eine Platzwunde an der Stirn, die mit 12 Stichen genäht werden muss. Ich habe ebenfalls starke Prellungen an den Armen und 2 tiefe Platzwunden am Hinterkopf, die ebenfalls genäht werden müssen. Wir sind aus Zufall in einer Schönheitsklinik gelandet und der Arzt gibt sich mit Kerstins Wunden in stundenlanger Arbeit allergrösste Mühe, um sie nach der Heilung möglichst unsichtbar zu machen.

 

Aufgrund der Wunden und den Erlebnissen haben wir beschlossen, den Sajama nicht mehr zu besteigen und uns das Land anzuschauen. Uns ist auch ehrlich gesagt die Lust vergangen, in Bolivien nochmals im Freien zu schlafen, zudem uns nun auch ein grosser Teil der dafür benötigten Ausrüstung fehlt. Uns geht es nun wieder soweit gut, wir haben uns die Fäden gezogen und Kerstins blaues Veilchen geht auch langsam zurück.

 

Wir haben viel über dieses Erlebnis gesprochen und versucht es aufzuarbeiten.  Wir sind vor allem froh dass wir leben und keine bleibenden Schäden abbekommen haben. Dieser Angriff hätte nicht passieren dürfen und des weiteren sind wir sehr ärgerlich auf uns selbst, weil wir viel besser reagieren hätten können.

 

Ich persönlich habe mir in den ersten Tagen nichts sehnlicher gewünscht, als die Uhr nochmals zurückdrehen zu können und den Angriff nochmals zu erleben. Ich hatte soviel Aggression in mir, dass ich es förmlich herausforderte dass mich noch mal jemand anmacht, nur um ihm dann alles zu geben, was für meinen Geschmack die Angreifer am Illimani zuwenig abbekommen haben. Nach einigen Tagen hat sich dieses Gefühl wieder gelegt, vor allem durch die schönen Erlebnisse mit unserer Reisegruppe in der Salar de Ujuni und unserem netten Fahrer Pedro. Auch die anschliessenden Erlebnisse im Gebiet des Sajama, wo ich nette Bolivianer kennenlernen durfte, hat die Welt wieder zurechtgerückt.

 

Ich habe mich vor der Reise intensiv mit Krav Maga beschäftigt und die Angriffssituation war Lehrbuch mässig. Wichtig wäre gewesen, in den Angriff des Anführers reinzugehen, die Schlaghand zu ergreifen und sofort mit Ellbogen und dem Knie zu attackieren.

Seine halbwüchsigen Komplizen hätten den Kampf ohne den Anführer sicher nicht weitergeführt.

Ich hatte jedoch eine Schrecksekunde und befand mich sofort nur noch in einer Abwehrsituation, in dieser Zeit bekam ich die Treffer ab. Als ich mich gefasst hatte und anfing zu attackieren, hatte ich die Situation relativ schnell im Griff- aber viel zu spät. Noch während dem Kampf dachte ich- als ein friedliebender Europäer der sich zum letzen Mal in der Schule geprügelt hat darüber nach, ja nicht zu fest zu schlagen um niemand so zu verletzen, dass ich vielleicht im Gefängnis in Bolivien lande- und dass obwohl wir im Begriff waren, totgeschlagen zu werden.

 

Insofern bin ich nach dem glimpflichen Ende dankbar für diese „Live Erfahrung“. Falls ich nochmals in so eine Situation komme- sofortige Attacke und keine Gnade- eine Person die mit solch brachialer Gewalt angreift muss damit rechnen, ebenfalls verletzt oder getötet zu werden. Überall auf der Welt ist es erlaubt, sich zu wehren.

 

Kerstin geht es ähnlich. Sie hat gekämpft wie ein Berserker,  ärgert sich jedoch über die unkontrollierte, zornige Abwehr und Attacke und denkt auch, sie hätte mit überlegtem Knieeinsatz, weniger Treffer bekommen.

 

Mir ist auch völlig bewusst dass wir zu einem Grossteil an diesem Erlebnis selbst schuld sind. Klar, niemand hat das recht einen anderen Menschen mit dieser Gewalt anzugreifen. Aber wir haben, eingelullt durch den schönen Tag, wichtige Spieregeln nicht beachtet.

 

Während der ganzen bisherigen Reise habe ich grundsätzlich:

 

Immer erst das Zelt bei beginnender Dunkelheit aufgeschlagen und darauf geachtet, dass mich niemand dabei sieht.

 

Sofort beim ersten Tageslicht das Lager abgebrochen und losgefahren.

 

Immer bei Tag und bei Nacht das Tränengas und das Messer griffbereit gehabt.

 

Im Basislager vom Illimani stand das Biwak den ganzen Tag und umherwandernde Hirten konnten uns und unsere Ausrüstung sehen. Danach blieb noch genügend Zeit um Begierden aufkommen zu lassen und einen Überfall zu planen.

 

Ich bin sehr froh dass auch Kerstin dieses Erlebnis ohne bleibende Schäden überlebt und weggesteckt hat und um aus dieser Misere noch einen positiven Aspekt abzugewinnen, sich vielleicht in Zukunft auch nicht mehr so blauäugig wie bisher verhält.

 

Ich selbst bin nun froh in Richtung Neuseeland zu reisen um hoffentlich wieder mit zivilisierteren Menschen zu tun zu haben. Südamerika hat einen unheimlichen Charme, aber Bolivien ist wirklich harter Tobak. In den Städten findet man Bolivianer vor, modern gekleidet und gebildet. Es gibt traditionell gekleidete Bauern, von geschäftstüchtig bis völlig stoisch und dann noch Hirten und Schäfer die des Spanisch und wahrscheinlich auch den geläufigen Dialekten kaum mächtig sind, vor Schmutz starrend und in Lumpen gekleidet. In deren Augen muss jeder Durchschnittseuropäer noch unglaublich reich sein und denen traue ich alles zu.

 

An dieser Stelle auch noch meinen besonderen Dank an Herrn Schwarber, der wenigstens unsere materiellen Verluste in allerkürzester Zeit bearbeitet und kompensiert hat. Jetzt will ich nur noch über schöne, spannende und lustige Erlebnisse berichten- wenn irgend wie möglich!

 

kommentare:

 

Man..... you told us. But it is still an unbelieveable story..... KRAV MAGA rules! Keep your health and enjoy your trip!

Paul

Dieter:Hallo Paul, all thinks, also the bad ones, are gone. realy good trip with bike from bolivia to chile- everythink is fine! but............now, I make my krav maga training every day..........

greetings, Dieter

 

Aber Hallo...... Da bin ich aber froh dass euch beiden nichts schlimmeres wiederfahren ist! Absolut hefftig, ich hoffe dass dir deswegen die Lust der Reise nicht abhanden gekommen ist. Möge euch der Herr gut beschützen und deine Reise begleiten! Liebe Grüsse Daniel 

 

Dieter: Hallo  Daniel,

danke für deine lieben Worte. Es ist alles gut und die Erfahrung war vielleicht wichtig. Die Reise macht weiterhin Spass, bin da hart im nehmen. Ausser auf den Herrn verlasse ich mich neuerdings auf einen sauharten, handlichen Stock, der mich überall hinbegleitet und mit dem ich traninere- falls mal der Schutzengel was anderes zum tun hat als auf mich aufzupassen, grins.

Gruss Dieter

 

Lieber Dieter, ich freue mich, dass ihr soviel Spass hattet und so viel erleben dürft - Mir wäre es zu gefährlich und vieeel zu anstrengend. Ganz klar, dass wir sehr froh sind, dass Ihr den Ueberfall überlebt hat. Dann bis bald...enjoy and take care! c.u. Christoph

 

hallo christoph, ich freue mich von dir zu hören! du weisst ja, unkraut vergeht nicht. in bolivien muss man halt mit allem rechnen. werde auf mich aufpassen, will doch noch so manche bergtour mit dir machen!. viele grüsse, dieter

 
BergBaer.ja es scheint manchmal Gott habe einen Ort erschaffen, der Paradies und Hoelle zugleich ist und nannte es Bolivien. schrecklich was euch passiert ist. manchmal vergisst man wie gefaehrlich es hier sein kann, es soll mir eine mahnung zur vorsicht sein. euch alles gute! gruss aus La Paz

dieter:hallo BergBaer, ja dass ist ein treffender ausdruck. ich habe gesagt, nie mehr bolivien. nun bin ich durch chile, neuseeland und australien gereist, aber ich muss dir sagen, die eindrücklichsten gefühle und naturerlebnisse, die meisten kontraste habe ich in südamerika und ganz speziell in bolivien gehabt- wie du sagst, paradies und hölle zugleich.

 


Roadreport-von Bolivien nach Chile auf der Route 11

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 18:12

Endlich wieder Radfahren. Nach einem dürftigen Frühstück bin ich von
Sajama losgefahren. 265km auf der angeblich schönsten Südamerikaroute liegen vor mir.  Einen Pass überquerend, werde ich von Boliviens Hochebene auf 4200 m bis an die chilenische Küste nach Arica fahren. Links der Sajama und rechts die 2 schönen Vulkane, Parinacota und Cotacotani, an der Grenze zu Chile. Die Sandpiste von Sajama zum Highway lässt sich wieder Erwarten gut befahren.

von sajama auf dem weg zur route 11

 

Dennoch legte ich meinen 2. Sturz dieser Reise hin. Eine Wasserdurchfahrt war von Eis bedeckt und ich wählte das kürzeste Stück auf dem Eis, ganz nah am Rand. Da streifte eine meiner Packtaschen am Wegrand und ich kippte um. Das Eis brach auch nicht als ich darüber fuhr, was die Sache noch kippliger machte. Als ich dann umkippte und mit Knie und Händen aufkam, da brach es dann doch und ich wurde nass.

 

War nicht angenehm bei der Kälte. Schon von weitem kann ich den Highway und die darauf fahrenden Trucks sehen. Es ist so schwierig eine Entfernung abzuschätzen, weil man so unendlich weit sehen kann. Erst als die Trucks winzig klein werden, kann ich erkennen, wie weit es doch bis zur bolivianischen Grenze ist. Bis zur Passhöhe sind es stattliche 500 Höhenmeter Aufstieg, von 4200 auf 4700m. Das ist bis jetzt die höchste Radfahrt für mich und die Höhe ist deutlich zu spüren.

wildwechsel

 

Ich japse ganz schön nach Luft und muss einige Male halten. Die bolivianische Grenzabfertigung geht schnell vor sich, ein freundlicher Polizist passt auf Klappi auf.  Dann sind es noch ca. 15km über die Passhöhe zur chilenischen Zollabfertigung.

Dort muss ich alles an Gepäck abmontieren und das Zeug wird geröntgt. Andere Länder andere Sitten, aber die Grenzbeamte sind zumindest freundlich und stellen viele Fragen nach dem Woher und Wohin. Die weitere Fahrt ist ein zermürbendes Auf- und Ab bei einem tierischen Gegenwind der mich den ganzen Tag begleiten sollte. Die Landschaft ist einmalig und die Sicht auf den Vulkan Parinacota ändert sich ständig. Im Lago Chungara auf 4500m, spiegeln sich die ganzen Berge ringsum:  Parinacota, Cotacotani, Sajama und Quisiquisini.

lago chungara mit vulcan parinacota

 

Endlos zieht sich die Strasse in einem ständigen Auf und Ab zwischen 4400m und 4700m. Weiter südlich taucht der Vulkan Guallatiri auf. Seitlich vom Gipfel stösst er ständig Rauchwolken aus. Irgendwann ist es klar, dass ich Putre, das nächste Dorf mit Schlafmöglichkeit, nicht mehr erreichen werde und ich suche einen Platz zum Schlafen. Gar nicht so leicht- das Gelände ist leicht wellig, aber ohne irgendwelche grösseren Felsen als Sicht- und Windschutz. Dann entdecke ich ein Wasserrohr dass unter der Strasse hindurchgeht. Der Durchmesser des Rohrs ist gross genug dass Klappi mit heruntergeklapptem Lenker und Sattel hineinpasst. Ein Erdwall setzt dass Rohr fort, so dass auch ich Windschutz habe.

Kurz noch ein Essen gemacht und das Zelt aufgebaut. Mega Sonnenuntergang mit Vulkansicht. Wenn ein Truck vorbeifährt, dann wackelt die Brücke mitsamt dem Zelt und es rieseln Steine herunter. Nur an Schlaf ist nicht zu denken. Zuerst habe ich verrückte Gedanken die wahrscheinlich noch mit dem Überfall zusammenhängen, dann ist es mir so kalt dass ich schnattere. Eine lange Nacht auf 4500m, hier ist es nachts wirklich arschkalt. Aber allles geht vorüber. Mit eiskalten Fingern alles zusammengepackt, dann geht es wieder Auf und Ab- verdammt, irgendwann muss doch mal die Abfahrt kommen! Dann endlich geht es wirklich mal bergab. Ich fahre durch ein Tal mit einem Bachlauf, alles ist mit Eis und Rauhreif verziert, mache schöne Bilder.

impressionen in eis

 

Die Vögel und Hasen haben keine Angst vor mir, ich komme ganz nah ran, hier sind nicht viele Menschen ohne Auto unterwegs, ich habe seit gestern am Zoll keinen einzigen Menschen mehr gesehen, ausser den Truckfahrern. Dann weist ein Schild weg vom Asphalt, nach Putre. Fahre auf holpriger Sandpiste und komme kurz vor Putre doch wieder auf die Asphaltstrasse, echt toll. Finde ein bescheidenes aber teures Hotel und ein Restaurant mit gutem Essen. Schreibe endlich meinen Blog weiter und gehe ein bisschen Spazieren. Bin jetzt auf 3800m. Morgen geht es hoffentlich runter bis nach Arica, ans Meer.

 

Mir ist immer kalt, ich habe jetzt echt genug von der Höhe hier. Auch nachts im Zimmer schnattere ich trotz 3 Wolldecken. Morgens gibt es um 8.00 Uhr noch kein Frühstück, also wird mein Proviant angebissen und los geht es. Ich dachte, irgendwie gibt es in Putre eine Durchgangsstrasse und ich komme wieder auf die Strasse nach Arica. Pustekuchen- ich muss zurück nach oben. So beginnt die gedachte Abfahrt mit einem saftigem Anstieg auf 3600m.

 Dann geht es 50km in einem ständigen zermürbenden Auf- und Ab zwischen 3000m und 3600m durch eine einsame Landschaft.

Ich habe vorsorglich meine Packtaschen am Gebäckständer angebunden, will nicht noch mal in vollem Galopp eine Packtasche verlieren, wie es in Ecuador der Fall war. Teilweise sind die Abfahrten so steil dass ich 80km/h draufbekomme. Und dass mit vollbeladenem Klappi- da ist die Death Road mit einem Fully ohne Gepäck, die reinste Kaffeefahrt! Ich fahre Stunde um Stunde und ich komme nicht unter 3000m, immer wieder sorgt ein Gegenanstieg dafür, dass ich wieder ordentlich Höhe gewinne.

Es sind nur noch 90km bis zum Meer- langsam glaube ich, in Chile liegt der Meeresspiegel auf 2000m! Dann haargenau um 12.00 Uhr und nach 4 Stunden Fahrt habe ich endlich 600 Höhenmeter abgebaut und die 3000er Höhenmarke fällt. Dann geht es wirklich runter durch eine atemberaubende Wüstenlandschaft. Aber damit es mir nicht zu wohl wird, setzt nun der berüchtigte Wind ein, der so manchem Velofahrer hier das Leben schon schwer gemacht hat. Erst leicht böig, dann immer beständiger bis schliesslich die D- Zugstärke erreicht ist. Da der Wind vom Meer kommt, habe ich vollen Gegenwind und ich muss teilweise treten, obwohl ich deutlich nach unten fahre.

Kein Mensch ist zu sehen, ausser den Truckern und vereinzelten PKW´s. Die Leute hier scheinen Veloleistung anzuerkennen, viele winken und hupen anerkennend. Sehr viele Gräber am Strassenrand erinnern daran, dass auf dieser Strecke das Truckerleben gefährlich ist. Ein Versagen der Bremsen wird hier wohl meistens zum Ableben des Truckers führen. Mir macht es Spass, die schwerbeladenen Trucks die darauf achten müsen nicht zu schnell zu werden, mit dem Velo nasszumachen.

truckergrab mit nummernschild

 

Die fallende Höhe wird bei Gegenanstiegen deutlich spürbar, ich kann wieder schwerere Gänge treten. Es wird auch immer wärmer, endlich kann ich nach Tagen die Handschuhe und Mütze ausziehen. Pro Stunde mache ich jetzt 1000 Höhenmeter weg, bis ich weit unten den Talboden sehe.  Meinen I-Pod den ich seit 1 ½ Monaten nicht mehr benützen konnte- die Festplatte steigt so ab 3000m aus, funktioniert auch wieder. Als ob er sich auch freuen würde wieder benützt zu werden, stellt er eine super Liedauswahl zur Verfügung. Auch Klappi läuft wie auf Schienen, es ist unglaublich wie gut sich dieses Fahrrad so schwer beladen fahren lässt.

 Es geht noch über spektakuläre Haarnadeln nach unten, dann wird es entlang dem Fluss im Tal, grün. Links und rechts sehr steile, hunderte von Meter hohe, nackte Sand- und Felshänge und entlang vom Fluss alles satt Grün- was für Kontraste.

Die letzten 800 verbleibenden Höhenmeter ziehen sich dann noch 25km gemächlich raus aus dem Tal. Die seitlichen Hänge werden langsam niedriger und dann kommt das Meer in Sicht.

Ich biege nach links ab und fahre noch 11km die Meeresküste entlang. In Arica biege ich von der Hauptstrasse ab, in Richtung Strand und hoffe dort irgendwo ein Hotel zu finden. Das Meer hat hier wunderschöne Wellen, viel Surfer sind unterwegs. Als die Asphaltstrasse aufhört, sehe ich 200m weiter ein Hotel direkt am Strand.

Auf einem Bahngleis fahre ich noch bis dorthin und jetzt sitze ich hier auf dem Balkind und schreibe- keine 50m weg von mir ist das Wasser und ich höre die Brandung rauschen- was für Tag! Für mich ist es die bisher spektakulärste Velofahrt der ganzen Reise und diese Fahrt auf einer wirklich guten Asphaltstrasse von 4700 Metern- von hochalpiner Landschaft, durch die Wüste bis zum Meer- wahrlich ein tolles Südamerikaerlebnis.

 

kommentare:

 

hola jefe, linda, linda muß doch noch das lotto spielen anfangen damit ich mit dir mitkann. und du bist echt furchtbar konservativ :-)))))))   Elektra

Dieter: hallo E- ob das mit dem lotto was wird, grummel, grummel- vielleicht müssen  wir auch unser taschengeld zusammenlegen- oder bring einfach nicht so viele teure souvenirs wie: kartoffel, avocados, cocablätter und sonstiges vom urlaub mit nach hause, grins.

miss you,
dieter

Eiskalter Schauer ,lief uns über den Rücken bei deinem letzten Bericht.Wir sind froh ,das ihr soweit alles gut überstanden habt . Über Googl-Erd ,und auf dem Sofa haben wir dein strampeln mit dem Fahrad nacherlebt .Atemnot und Schweisstreibent nur beim Zuschaun. Sind gespannt , auf deine weiteren Berichte. Gruß von den Donzdorfern

Dieter: Danke für eure anteilnahme. die meiste zeit habe ich aber auf der fahrt nach chile gefroren! bin gerade an der küste in der nähe von santiago de chile. wunderschöne strände, kuranlagen, parks- da würde ich euch wohl eher hinkriegen, oder? viele grüsse, dieter

 

Habe furchtbar lange damit gerungen meine schräge Gedanken zurück zu halten, aber mal ehrlich würde gerne mal Mäuschen spielen und sehen wie du per Selbstauslöser immer am schnellen rennen und posieren bist - bestimmt witzig mit anzuschauen :))) Daniel

 Tja Daniel, alles kriegste halt auch nicht mit, grins. aber auch mit dem in pose springen hab ich schon routine. in neuseeland rennen wir dann beide- ok? gruss dieter

 

Südamerika wird dir wahrlich in erinnerung bleiben. Freut mich dass es dir gut geht, auch nach den Strapazen. grüschen Daniel PS. Auf em Bild, wo du im Hotel bist... dass sieht schon nach Ferien aus:)

halle daniel, ja südamerika war ein unvergessliches erlebnis in allen richtungen.  die letzte woche war wirklich voll urlaub- immer am meer, hier gibt es wunderschöne strände. bin gerade in vina del mar und valparaiso, dass dürften so die schönsten aber auch teuersten ortschaften in chile sein, morgen fahre ich dann richtung santiago- immer nur chillen und essen- jetzt muss ich unbedingt wieder was tun. gruss dieter 

hallöle, Dieter deine Berichte zu lesen macht super viel spass. Ist total interessant und spannend, bin erleichtert das euch nicht mehr passiert ist! Ps: mache gerade Urlaub in der Schweiz wünsche dir noch super viel spass! liebe grüße Dani´s Chrissi :-))

hallo chrissi, hab schon gehoert dass du mein bett daheim waermst, grins. wuensch auch dir viel spass in der schweiz und gratuliere dir zu deinem eigenen heim- e sagt, sieht ganz toll aus, bin ja mal gespannt. ich freue mich wenn es spass macht meine berichte zu lesen, dann macht es auch spass sie zu schreiben. schon lange nichts mehr passiert, wird mal wieder zeit fuer action. gruss dieter


Santiago de Chile-hasta luego

Reisebericht — geschrieben von dwidatw @ 02:20

Die Tage in Chile waren richtig Urlaub- schön essen und gemütlich die Gegend erkunden, das Meer mit den schönen Stränden und Wellen geniessen. 
 

Von Arica bin ich mit dem Bus nach Vinar del Mar gefahren. 32 Stunden Busfahrt und 2000km sind bis jetzt Langstreckenrekord. Die Fahrt war dennoch nicht langweilig. Die Strecke ging überwiegend durchWüste- nur Sand und Steine. Erst nach 1600 km kamen die ersten grünen Pflanzen zum Vorschein.

Vinar del Mar ist ein Kurort, vorzustellen als wenn man Baden Baden und Monaco an den Pazifik gelegt hätte. Vornehme Strandpromenaden, ein Casino und alles ziemlich schick.

impressionen von vinar del mar

Valparaiso ist da eher angegammelt, hat aber Charme weil die alten Häuser je nach dem Geschmack und den Möglichkeiten der Bewohner, aufgepimpt wurden. Die Stadt ist sehr hügelig und es gehen auf die oberen Wohnebenen Schrägaufzüge hoch, die ihre besten Tage auch schon gesehen haben.

valparaiso

Das Hostel war ok und nach 2 Tagen habe ich dann  Klappi aufgesattelt und bin Richtung Santiago gefahren, mehrheitlich auf der Autobahn. Es wurde zusehends immer grüner und frühlinghafter. Das erste, für Fahrräder verbotene Tunnel, habe ich überfahren- der Schwerverkehr darf ebenfalls nicht durch das Tunnel und muss über die Bergkette.

Auf dem Bergsattel habe ich eine schöne Stelle zum Schlafen und grossartigem Ausblick ins Tal gefunden, unglaublich wie weit man mit einem Fahrrad an einem Tag fahren kann.

Am nächsten Tag geht es dann zuerst bergab, überall blühen die Obstbäume und die Ginstersträucher duften. Es ist schön diese Wärme zu spüren und die Pflanzen zu sehen und zu riechen, ich bin jetzt doch 1 1/2 Monate in einer Landschaft die hauptsächlich aus Steinen und Sand besteht, unterwegs gewesen.

Der zweite Tunnel der nicht befahren werden darf lässt nicht lange auf sich warten,  aber die Überquerung dieser Bergkette ist von anderer Qualität. Die Strasse schlängelt sich lange in die Berge und es sind über 600 Höhenmeter zu bewältigen. Dann geht es wieder runter und obwohl es noch 16 km nach Santiago sind, gibt es nur noch Häuser und rücksichtsloser Strassenverkehr. Die Autos, vor allem die Busse fahren arschknapp an mir vorbei, das geht ganz schön an die Nerven. Ein kleines Zimmer und sehr nette Hotelbesitzer erwarten mich. Santiago ist eine schöne Stadt, eine Mischung aus dem Stil von Südeuropa und Nordamerika. Alte Häuser sind umringt von Skyscratcher und spiegeln sich in deren verglasten Fronten.

santiago de chile

 

Am ersten Tag durchlaufe ich die Stadt, geniesse ein delikates Essen im Mercato Central, in dem es alles gibt, was so in der See kreucht und fleucht. Dann gehe ich ins Museum der schönen Künste- etwas Kultur muss sein. Es gibt unzählige grosse und kleine Parks, grüne Oasen der Stadt mit Blick auf die Andenkette, die unmittelbar im Rücken von Santiago vorbeilauft.

Relaxte Tage mit Radtouren in die umliegende Gegend, jetzt bin ich gespannt auf den nächsten Abschnitt der Reise- Neuseeland.


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